DER FREIE ARZT -
Nr. 1/2000
Dr. Andrea Engassner
Assistentin an der Internen Abteilung, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz-Eggenberg
Familie und Beruf – Quo vadis?
Mindestens 12 Jahre... – 3 von Beendigung der allgemeinen Schulpflicht an bis zur Matura, 6 bis zum Studienabschluss, 3 bis zur Beendigung der Turnusausbildung – spätestens dann steht Frau Doktor vor der Entscheidung:
Karriere oder Familie?
Für die meisten Frauen aber nicht eine Spitzenkarriere, sondern die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie die persönliche Erfolgsdefinition. Doch gerade der Beruf Arzt/ärztin – sei es im Krankenhaus oder im niedergelassenen Bereich – ist an sich familienfeindlich: Nacht- und Wochenddienste, Rufbereitschaft, Überstunden, wissenschaftliches Arbeiten, Hausbesuche... Wie sind also diese unvereinbar scheinende Dinge in Einklang zu bringen?
Fragt man die Betroffenen so hört man oft "Irgendwie geht es schon" -... muss es ja auch!
Suchen wir also nach Lösungsmöglichkeiten! Was sind die Voraussetzungen bzw. die Ansprüche an eine ärztliche Tätigkeit die Beruf und Familie vereinbaren ließen und schaut derzeit die Realisierbarkeit aus?
Da wären zunächst eine wöchentliche Arbeitszeit von 20 – 25 Stunden, weiters auch eine fixe Wochenplanung zu fordern. Damit ließe sich eine adäquate Kinderbetreuung wesentlich leichter organisieren.
Dies war bisher etwa im schulärztlichen, arbeits- und labormedizinischen Bereich durchaus möglich.
Noch ausbaufähig bzw. noch zu etablieren wären:
Teilzeitstellen, die Anstellungsmöglichkeit Arzt bei Arzt (auch Kassenarzt!) und moderne Gruppenpraxen.
Realität im niedergelassenen Bereich ist jedoch, dass man/frau zwar seine/ihre Ordination gerne 12 Stunden täglich oder auch samstags offenhalten möchte, als Einzelperson dies jedoch nicht kann; und eine(n) Kollegin/Kollegen anzustellen ist derzeit in Österreich rechtlich noch nicht möglich! Andererseits ist man vertragsmäßig verpflichtet, seine Ordination an zumindest zwei Nachmittagen geöffnet zu haben.
Realität im spitalsärztlichen Bereich sind Arbeitsüberlastung, Papierkrieg, Telefonitis, Überstunden (oft unterbezahlt), 56-Stundendauerdienste, Übermüdung und daraus resultierend Fehleranfälligkeit und Gereiztheit des Stammpersonals, mit dem Hauptleidtragenden – dem Patienten. Teilzeitstellen sind rar und die "glücklichen Gewinner" dieser Posten werden als zweitklassig angesehen. Selbst Vollbeschäftigte, die aus familiären Gründen pünktlich den Arbeitsplatz verlassen müssen, gehen nicht ohne nicht zumindest missgünstigen Blicken ausser Haus. Dabei käme die Anstellung von Teizeitärzten/-ärztinnen beispielsweise zu Zeiten des regsten Betriebes auf Station oder auch im Ambulanzbereich allen Dienstnehmern zu Gute.
Als Argument gegen Teilzeitbeschäftigung, jetzt ganz abgesehen von der finanziellen Machbarkeit, spricht man vor allem von der "Kontinuität der Behandlung". Was ja auch richtig ist, aber dann kontinuierlich gut!
Durch einen sowohl physisch als auch psychisch fiten Mediziner.
Was die Finanzierbarkeit betrifft – arbeitslose Ärzte kosten auch Geld.
An alle, die "es" bisher geschafft haben – meine Hochachtung!
An alle, die "es" noch schaffen müssen – mehr Solidarität und Selbstbewusstsein!
Schließlich sind Teilzeitbeschäftigte keine Appendices des Berufslebens sondern wertvolle Mitglieder eines an den Grenzen der Schaffbarkeit durch den Einzelnen angelangten komplexen Arbeitsprozesses.
Darum unsere Forderung:
Mehr Teilzeitjobs bzw. die Ermöglichung der Anstellung ARZT bei ARZT!
Irgendwie wird es schon gehen – muss es ja auch!!