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DER FREIE ARZT - Nr. 4/2000


 

Dr. Jörg Garzarolli, Obmann der AKTION FREIER ARZT, 2. Vizepräsident in der ÄK Steiermark

 

Der aktuelle Kommentar

Das allgemeine Wirrwar in der derzeitigen Bundespolitik hat leider auch den Bereich der Gesundheitspolitik erfasst. Die Maxime der Einsparungen in allen Bereichen und die Konstellation der politischen Parteien treibt teilweise skurrile Blüten: Jeder fühlt sich berufen, (s)eine Meinung zu äußern, Ausverhandeltes wird gekippt, Entscheidungen werden relativiert oder revidiert, oft weiß man schon nicht mehr, wer wofür zuständig bzw. kompetenter Verhandlungspartner ist. In dieses Chaos ist in den letzten Monaten auch die Ärzteschaft mitten hinein geraten.

Die Posse um die Einführung der Ambulanzgebühr ist sattsam bekannt. Die nun geltende Regelung kann als lebbar bezeichnet werden, allerdings bleibt noch immer die Frage offen, warum Ambulanzen der Krankenkassen ausgenommen sind. Auch die Befreiung für mitversicherte Kinder ist nicht nachzuvollziehen. Außerdem wurden bis dato keinerlei Maßnahmen in Aussicht gestellt, für die so oft verbalisierte Auslagerung in den extramuralen Bereich entsprechende Maßnahmen zu setzen, wie z. B. die Adaptierung der Honorarkataloge auf betriebswirtschaftlich befriedigendes und modern-medizinisches Niveau.

Die bereits an den Universitäten ausgearbeiteten neuen Studienpläne werden in dieser Form aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht umgesetzt werden. Endlich hätte man eine vernünftige Form der Lenkung und Beschränkung des Zuganges zum Medizinstudium gefunden und einen zeitgemäßen Studienablauf vorgesehen, wird es auch hier wieder zu Revisionen kommen, für die sich in einem hohen Maße zumindest Teile der an den Unis Lehrenden selbst stark machen.

Im Zuge des dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger verordneten Einsparungsauftrages sollen etwa ATS 2,4 Milliarden von den niedergelassenen Ärzten beigetragen werden. Bei den Verhandlungen stehen neben einer Reihe anderer Themen – Stichwort Nachfolgepraxis – im Mittelpunkt Regelungen betreffend Eindämmung bei den Medikamentenkosten (insbesondere der Zuwachsraten), der Folgekosten (wie Überweisungen, Transportkosten oder Krankenstände) und die verpflichtende, flächendeckende EDV-Abrechnung aller Ärzte mit allen Kassen. Die Verhandlungen auf ärztlicher Seite werden federführend vom Obmann der Bundeskurie "Niedergelassene/Dr. Pruckner" aus der Steiermark geführt. Das Ergebnis wird abzuwarten sein.