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DER FREIE ARZT - Nr. 2/2001


Dr. Eiko Meister

 

Das Leben im Spital – oder Don Quichotte und die neuen Windmühlen

Glücklicherweise ist der Ärztestand der von der Bevölkerung noch immer am meisten geachtete. Daran haben auch die diversen Skandale der letzten Zeit nicht viel ändern können.

Ein elementares Grundvertrauen in die Qualität der Versorgung ist noch immer vorhanden.

Neben vielen Bereichen in der Medizin weht aber auch den Spitalärzten ein immer heftiger werdender Wind um die Ohren. Als Dienstleister in der Anonymität des Spitals verschwindend, entwickelt sich die Spezies Spitalsarzt, die nebstbei die größte Subpopulation der Ärzteschaft darstellt, zu einem mehr oder weniger einsamen Frontkämpfer ohne Namen.

Eigentlich sind wir die modernen Don Quichottes.

Die Windmühle "Arbeitsumgebung"

Hauptproblem ist hier die ansteigende Arbeitsüberlastung. Zunehmender Dokumentationswahn und nicht funktionierende Steuerungsmechanismen (Misere der Ambulanzgebühr), sowie die sich in alle Bereiche wie ein Krebsgeschwür voranarbeitende Bürokratie bedingen eine zunehmende Abwendung vom Patienten und dessen Grundanspruch der optimalen Versorgung hin zum Papier und Computer. Wenn dann auch noch einsame Kaufentscheidungen für eine Anwendersoftware getätigt werden, die den Ablauf noch weiter verkomplizert, wird das Leben auch nicht einfacher.

Wer ist nicht das Mädchen für alles: tagsüber Arzt, dann EDV-Kämpfer, Zettelbearbeiter und in der Nacht auch noch eigene Sekretärin, weil ja die Finanzlage so schlecht ist, dass alles gesundgespart wird. Sicherheitshalber, weil ja das AZG sowieso nicht umsetzbar ist, wird auch noch zur allgemeinen Motivation die Anzahl der Diensthabenden evaluiert, um letztlich reduziert zu werden. Der Nachtdienst ist zum Arbeiten da, und jeder darf kommen. Darüber hinaus sind ja die Ärzte die einzige Berufsgruppe im Krankenhaus, die nicht unter das Nachtarbeitszeitgesetz fällt – wir haben ja ein angeborenes Care-Syndrom.

Die Windmühle "Ausbildung"

In dieser Umgebung versuchen wir unsere jungen Kollegen optimal auf ihr weiteres Berufsleben vorzubereiten. Hochgesteckte Ziele, wie Ausbildungstutoren, obligate Ausbildungsassistenten, interne und externe Fortbildung - auch ganz modern über das Internetz - sind die Schlager der Saison.

Leider nur gibt es dafür kein Personal – Schlagwort Anspannung. Dafür haben wir ein Tätigkeitsprofil bekommen, bloß die Umsetzbarkeit ist schwierig, weil eben zu wenig Personal. Und weil ja eh schon eine Personalknappheit herrscht, überlegt man doch laut, ob nicht der Fortbildungsurlaub gestrichen werden sollte.

Also Ausweichen ins Internet. Sehr hochtrabend und zukunftsweisend. Schwierig ist jedoch die Tatsache, dass die angebotenen DFP-Punkte-Fortbildungen derart kontroversiell beurteilt wurden und eine fachliche Diskussion entbrannte, dass eine Widerholung in redigierter Form notwendig wurde (www.arztakademie.at). Ist dann doch die ausreichende Stundenzahl geschafft und alle Zeugnisse vorhanden, geht es wieder ans Abliefern: 390 € für den Allgemeinmediziner, 720 € für den Facharzt – alles via Akademie.

Und weil wir nicht sicher sein können, daß alle Kolleginnen und Kollegen gut ausgebildet werden, müssen wir nach EU-Recht die Ausbildungsstätten visitieren. Vielleicht ein Ansatz zur Verbesserung der Ausbildung. Über Erweiterungen der Ausbildung nachzudenken erübrigt sich, weil keine Stellen vorhanden und ein Zuwachs nicht in Sicht sind.

Die Windmühle "Sondergebühren"

Hier weht kein Lüfterl mehr, es geht jetzt ans Eingemachte. Die Neuregelung der Gebührenabrechung mit den PKVen im Spital mit dem Ansatz der freien Arztwahl ist grundsätzlich begrüßenswert. Aber, es gibt einige Fallstricke, die hier verpackt sind.

Vermutlich werden hier Seminare anzubieten sein, um diese Situation einigermaßen befriedigend für alle Beteiligten über die Runden zu bringen. Wobei abteilungsinterner Streit über die Verteilung der Honorare letztlich in die Kammer zwecks Schlichtung getragen werden muß. Wovon dann aber letztlich die Kollegen der "schwachen" Abteilungen ihre Gebühren beziehen werden ist eigentlich nicht ganz geklärt.

Die Windmühle "Standesvertretung"

Hier herrscht das Grundleiden, das wir Spitalsärzte leider alle teilen müssen. Absolut gesehen sind wir die stärkste Kurie, letztlich in vielen Entscheidungen unterrepräsentiert und nicht eingebunden. Beim in Zukunft logischen Schritt vom Spital in die Niederlassung hat die Kurie Anstellte Ärzte teils nur Bittstellerfunktion bei den Niedergelassenen Kollegen. Zwar wird es ein neues Reihungsschema geben und vermutlich wird auch der leidige Eheparagraph endlich verschwinden, aber wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung des Schemas wird die Kurie Angestellte nicht nehmen können. Zuerst staut es sich bei den Ausbildungsstellen, dann bei den Kassenstellen. Wagt jemand eine Nebenbeschäftigung neben dem Spital, dann aber nur noch mit dem Sanktus des Spitalserhalters. Und zu guter Letzt scheinen die regierenden Standesvertreter um Schmidt und Rühle sogar fraktionsintern nicht eine Line zu vertreten.

Hat man doch in der ÖÄK die Aufhebung der diversen Sektionen beschlossen - mit einem Pro von Schmidt und einem Kontra von Rühle.

Es gibt also noch genug zu tun. Die Aktion Freier Arzt wird auch weiterhin und mit besonderem Elan dafür arbeiten, dass der Beruf des Arztes ein möglichst freier bleibt. Im speziellen im Spital.

Denn welcher Patient will schon von einem Ritter von der traurigen Gestalt und seinem Sancho behandelt werden.