DER FREIE ARZT -
Nr. 3/2001
Exodus der Zahnärzte
Am 24. November 2001 beschloss auf Bundesebene eine Versammlung von Zahnärzten, eine eigene Zahnärztekammer zu installieren, also aus dem gemeinsamen Verband aller Ärzte auszusteigen.
Auch bei Argumentation, dass es sich um kein offizielles Entscheidungsgremium der Ärztekammer gehandelt hat, ist diese Erstentscheidung ein alarmierendes Signal, das nicht nur Thema der Zahnärzte, sondern der gesamten Ärzteschaft ist!
Begründet wird diese Entwicklung mit EU-Vorgaben ("Mangel einer fehlenden unabhängigen Erfassung der Zahnärzte in einer eigenen Standesliste") und mit Problemen mit der Dentistenkammer bezüglich der Integrierung der Drs. med. dent.
Werden sich die Fachärzte für ZMK das gefallen lassen: die zwangsläufige Überführung als Fachärzte in eine Kammer von Nicht-Ärzten – entblößt ihrer ärztlichen Standesvertretung und dem damit verbundenem Verständnis und Rückhalt, wobei zahlreiche andere Probleme hinzukommen – besonders im Bereiche ihrer Altersversorgung (Wohlfahrtsfonds)?
Ich glaube NEIN! Eine derartige Regelung wäre wohl in den Köpfen so mancher zahnärztlicher Funktionäre reizvoll, würde aber auf dem Rücken der ärztlichen Kollegenschaft ausgetragen werden.
Eine Lösung muss gefunden werden, um den Fachärzten für ZMK den Verbleib in der gemeinsamen Ärztekammer offen zu halten! Dies könnte zum Beispiel durch eine EU-konforme Umbenennung ihres Faches ("Facharzt für Stomatologie") und Schaffung einer eigenen Fachgruppe analog den anderen Fachärzten innerhalb der Ärztekammer erfolgen.
Sollte die Entwicklung unabwendbar sein (eine Entscheidung kann wohl nur eine Urbefragung unter allen betroffenen Ärzten bringen), so wird dem Thema Wohlfahrtsfonds besondere Aufmerksamkeit zu schenken sein. Eine Bewertung und Ausrechnung der bisher getätigten Beitragszahlungen müsste unbedingt von einer nicht-kammeralen Institution erfolgen; für die Transferierungsmodalitäten würden längerfristige Konzepte ausgearbeitet müssen. Außerdem müsste gesichert sein, dass einerseits alle persönlichen Anwartschaften gewahrt bleiben und zum Beispiel auch die steirischen Zahnärzte nicht den bekannt maroden Wiener WFF quersubventionieren.
Es ist zu hoffen, dass die Entwicklung (noch) aufzuhalten ist und die Bemühungen im Bereich des WFF nicht die letzten sein werden, welche die ärztliche Standesvertretung im Interesse ihrer zahnärztlichen Kollegenschaft unternehmen muss und kann ...