Zurück

DER FREIE ARZT - Nr. 2/2002


 

Verrat an der Standespolitik: Pjetas Gruppenpraxis in OÖ

Trotz laufender Verhandlungen auf Bundesebene zur Schaffung von Gruppenpraxen preschte der Präsident der OÖ – ÄK und Präsident der Österreichischen Ärztekammer Otto Pjeta in seinem eigenen Bundesland vor und unterzeichnete einen Rahmenvertrag mit der OÖ-GKK.

In diesem Vertragswerk sind z.T. Uraltforderungen des Hauptverbandes erfüllt, Pjeta scheint jedes Gefühl für eine seriöse und solidarische Standespolitik verloren zu haben.

So erklärt er sich damit einverstanden, dass Gruppenpraxen nur durch den Zusammenschluss von zwei bestehenden fachgleichen Kassenverträgen zugelassen werden sollen, fachübergreifende Modelle sind verboten.

Den Gipfel der Unverständnis stellt der Honorarrabat von 8,5 – 9,5 % dar.

Dem jedoch noch nicht genug: eine Begrenzung der Patientenzahlen bei der Übergabepraxis ( auch dieses Modell ist in dem Vertragswerk enthalten ), praktisches Verbot des kassenfreien Raumes sowie fehlende Einflussmöglichkeit des "Seniorpartners" auf Partnerauswahl bei der Übergabepraxis.

Diese nun in einem Bundesland erfüllten Forderungen des Hauptverbandes waren für die Verhandler auf Bundesebene immer inakzeptabel.

Das Vorgehen des OÖ- und Österreichischen Ärztekammerpräsidenten wiegt doppelt schwer, da die Verhandlungen auf Bundesebene kurz vor dem Abschluss standen und zuletzt noch durch den Oberösterreichischen Alleingang hätten massiv negativ präjudiziert werden können.

Dieses Handeln des Dr. Pjeta ist nicht nur unverständlich, es ist verantwortungslos und zeigt, dass er Funktionen bekleidet, denen er nicht gewachsen ist.

Schon in der Vergangenheit hat Dr. Pjeta in Oberösterreich auf den sogenannten "Kassenfreien Raum" verzichtet und damit ein für die Ärzteschaft negatives Beispiel dem Hauptverband in die Hände gespielt.

Zusätzlich wurden massive Einschränkungen von komplementärmedizinischen Methoden für Kassenärzte vereinbart, was weiter zu einer Wettbewerbsverzerrung und Einkommenseinbußen für diese führt.

Ein auf Landesebene derart agierender Präsident ist auf Bundesebene de facto untragbar.

Auf dem Kammertag war es nur dem besonnenen und zukunftsorientierten politischen Denken zu verdanken, dass einem geplanten Misstrauensantrag der Niedergelassenen-Länderkurien Wien und NÖ von allen anderen Delegierten nicht näher getreten wurde.

Ein Jahr vor den nächsten Wahlen hätte eine Abwahl bzw. anschließende Neuwahl das Agieren der Bundeskammer nur noch weiter gelähmt – sicher nicht im Interesse der österreichischen Ärzteschaft.

Aber keine Sorge, Herr Kollege Pjeta: wir vergessen nicht, Ihre Stunden als Präsident der Österreichischen Ärztekammer sind gezählt !