DER FREIE ARZT -
Nr. 3/2002
Ärztliche Betreuung in Alten- und Pflegeheimen
In einer sommerlichen Presseaussendung fordert der Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, Dr.Jörg Pruckner, die Einführung einer ärztlichen Leitung für alle Alten-und Pflegeheime.
Als Begündung wird angeführt, dass Visiten ebendort für organisatorische Aufgaben zweckentfremdet werden und dass die Tätigkeiten des dort tätigen Pflegepersonals von einer ärztlichen Leitung zu koordinieren und zu supervidieren sei ( Frage: was ist mit Kleinst-Heimen ? ) Ebenso wird das Recht des Patienten auf freie Arztwahl - sehr oft handelt es sich um den altgewohnten Hausarzt - in diesen Einrichtungen in Zweifel gezogen.
Tatsächlich entwickelt sich die Frage der Patientenbetreuung in Alten-und Pflegeheimen zu einem zunehmendem Problem - allerdings vornämlich aus Sicht der Gebietskrankenkasse : bekanntermaßen können mehrere Patienten in einem Heim nur als massiv unterdotierte "Folgevisiten" verrechnet werden, wobei die Notwendigkeit selbst dieser Billig-Visiten dem Vernehmen nach in Aussprachen mit Ärzten von Vertretern der GKK immer wieder in Zweifel gezogen wird. Dieser Standpunkt geht abgesehen von der finanziellen Gestaltung auch noch völlig an der Realität vorbei.
Jeder Praktizierende, der auch pflegebedürftige Patienten im Rahmen einer Hauskrankenbehandlung ( egal, ob im häuslichen Bereich oder in Heimen ) betreut, weiß, dass diese Form der Visitentätigkeit eine besonders zeit- und hinwendungsintensive ist.
Was ist daher praxisentsprechend tatsächlich zu fordern ?
Angesichts der Tatsache, dass aus demoskopischen Gründen dieser ärztliche Tätigkeitsbereich immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist aus Sicht der AKTION FREIER ARZT auf eine rasche und einheitliche Regelung im Sinne obiger Punktation zu drängen.