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DER FREIE ARZT - Nr. 3/2002


Dr. Jörg Garzarolli, Obmann der AKTION FREIER ARZT, 2. Vizepräsident in der ÄK Steiermark

 

DER AKTUELLE KOMMENTAR

In der ersten Jahreshälfte dieses Jahres mussten von der Standesvertretung u.a. Vorschläge zu österreichweit gültigen Vergabekriterien für Kassenplanstellen, die Evaluierung von zukünftigen Kassenpraxen ( offen, ob für alle oder nur für Gruppenpraxen ), die Gestaltung von Gruppenpraxen, zur weiteren zahnärztlichen Standesvertretung und zum Chipkarten-Vertrag definiert werden. Besonders in der Frage der Zahnärzte hat hiebei die ÖÄK keine Glanzvorstellung gegeben.

Bis dato ist einzig der Gruppenpraxis-Vertrag einer Einigung zugeführt worden, worauf nun die Umsetzung auf Länderebene erfolgen muss. Alle anderen Fragen sind bis dato noch unerledigt, wobei dem Vernehmen nach praktisch in allen Belangen die Vorstellungen der Ärztekammer weder vom Hauptverband noch vom Ministerium akzeptiert werden.

Die zweite Jahreshälfte wird demnach im Zeichen der Umsetzung der offenen Fragen stehen, wobei bei der derzeitigen politischen Lage mit schwierigsten Verhandlungen zu rechnen sein wird.

Zwischenzeitlich sind dann noch Fragen wie die Gestaltung eines neuen Rezeptformulares im DIN A5-Format, die mögliche Aufhebung der Chefarztpflicht inklusive der Schwarzpunkt-Präparate-Regelung, die "aut idem"-Verschreibungsvariante und die Einhebung der zukünftigen Chipkarten-Gebühr durch die Ärzteschaft ins Gespräch gekommen.

Intern sorgen die Facharzt-Prüfungen für Unruhe : nicht nur die hohen Prüfungsgebühren, sondern besonders die sich zum Teil nun in ihrer Wertigkeit über-bestätigt fühlenden Fachgesellschaften kommen ins Kreuzfeuer der Kritik: die Absolvierung (teurer) Vorbereitungskurse und –seminare könnte sich zur Voraussetzung zum Bestehen der Prüfungen entwickeln – eine Tendenz, die man nur als höchst bedenklich bewerten kann und welche rechtzeitig zu unterbinden ist.

Im Lande sind wieder einmal die Distriktsärzte ins Blickfeld der Politik geraten, wobei es diesmal vordergründig nicht nur um ihre Dienstverpflichtungen bzw. Aufgabenbereiche als viel mehr um ein mögliches Auslaufen dieser Einrichtung überhaupt geht. Dabei spart man nicht mit teilweise unrichtigen Zahlenspielen, unterschwellig werden sogar Neidkomplexe in die Ärzteschaft hineingetragen. Nur unzureichend Informierte – und dazu gehören offensichtlich auch Landespolitiker – werden diese Abschaffungs-Ambitionen unterstützen. Es wird eines intensiven Einsatzes der Ärztekammer bedürfen, die Fakten klar zu machen und sich für den weiteren Erhalt der Institution "Distriktsärzte" einzusetzen.

Die teilweise chaotischen, unkoordinierten und tendenziell oft sogar interessensspaltenden Vorgangsweisen in der ÖÄK besonders in den letzten beiden Jahren haben gezeigt, dass die Ärzteschaft einer gedeihlichen Zukunft nur dann entgegensehen kann, wenn sie sich wieder in einer starken und selbstbewussten Standesvertretung formiert, welche aktiv gestaltend, intern ausgleichend und der Politik die Stirne bietend agiert. Die Basis hiezu wird in den Kammerwahlen des nächsten Jahres auf Landesebene gelegt werden, da die dort gewählten Funktionäre über die Zusammensetzung auch der Führung der Österreichischen Ärztekammer entscheiden werden.