DER FREIE ARZT -
Nr. 3/2002
Das neue Medizinstudium in Graz
Nicht nur für angehende Mediziner sondern auch für die Ärzteschaft ist eine geraffte Information über das neue Studium der Humanmedizin von Interesse, wie es an der medizinischen (noch-) Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz in Zukunft strukturiert ist :
Der Studienablauf ist in drei Abschnitte geteilt, wobei für den ersten zwei Semester, für den zweiten acht Semester und den dritten wieder zwei Semester vorgesehen sind - der Abschluss inkludiert eine Diplomarbeit. Daran anschließend ist die Möglichkeit zur Absolvierung eines "Doktoratsstudiums der medizinischen Wissenschaft" vorgesehen.
Man geht vom fächerspezifischen Lernen weg zu einem Unterricht in Zusammenhängen, das heißt, in fünfwöchigen Modulen und durchgehenden Tracks werden in einem betont patienten- und praxisorientiertem Unterricht ( Vorlesungen, Übungen, Seminare ) themenzentrierte Schwerpunkte vermittelt. Neben Pflichtfächern ist auch die Absolvierung von Wahlfächern vorgesehen.
Der erste Abschnitt vermittelt Wissen und grundlegendes Verständnis des menschlichen Organismus ebenso wie die Einführung in die Grundzüge ärztlichen Handelns : "Vom Naturgesetz zum Leben", "Moleküle,Zelle,Gewebe", "Struktur und Funktion des Bewegungsapparates", "Viszerale Struktur und Funktion", "Ärztliche Fähigkeiten" etc. Ferner ist auch die verpflichtende Absolvierung eines Pflege(Stations-) praktikums vorgesehen.
Die Inanspruchnahme eines der auf 264 limitierten ( ! ) Lehrveranstaltungsplätze des zweiten und dritten Abschnittes setzt den positiven Abschluss des ersten Abschnittes voraus.
Im zweiten Studienteil sind unter anderen die Module " Vom Molekül zum Organismus", "Therapeutische Intervention", "Toleranz,Abwehr,Regulation", "Gesundheit und Gesellschaft", Viszerale Funktion und Modulation", "Entwicklung,Wachstum,Reifung", "Metabolismis und Elimination", "Kommunikation, Supervision,Reflexion" vorgesehen.
Wahlpflichtfächer können aus 41 Disziplinen ausgewählt werden: von der Allgemeinmedizin über alle klassischen Fächer bis zu Komplementärmedizin, Onkologie, Palliativmedizin, Sozialmedizin oder auch Zahnheilkunde.
Im dritten Abschnitt ist aus drei definierten Fächergruppen jeweils ein Fach auszuwählen ( Beispiel: Gruppe Dermatologie/Venerologie, Augenheilkunde, HNO, Gynäkologie und Geburtshilfe ), 30 Semesterstunden sind als freie Wahlfächer zu absolvieren, daneben noch das Pflichtfach "Allgemeinmedizin".
Am Ende jedes Studienabschnittes ist eine Diplomprüfung zu absolvieren, zudem im dritten eine Diplomarbeit zu verfassen.
Pflichtfamulaturen sind: 16 Wochen im zweiten Abschnitt und acht Wochen in einer allgemeinmedizinischen Lehrpraxis im dritten Studienabschnitt.
Mit Erstellung des nun vorliegenden Studienplanes werden teilweise schon viele Jahre lang vorgebrachte Forderungen erfüllt : praxisgerechte und schon möglichst frühzeitig patientenorientierte Ausbildung, Modernisierung der Lehrinhalte, Unterricht in kleinen Gruppen, Möglichkeit der teilweisen Absolvierung des Studiums im Ausland mit Anerkennung ds., Wahlmöglichkeiten von Fächern usw.
Die Einschränkung der weiterführenden Studienplätze auf eine limitierte Zahl nach zwei Semestern war als letztes Land in Europa mehr als fällig und ist nach jahrelanger vor allem politisch motivierter Verhinderungstaktik nun endlich Realität geworden.
Studienplan ( Gesamtfassung ) veröffentlicht im Mitteilungsblatt 2001/02 der Karl-Franzens-Universität Graz,
68.Sondernummer vom 28.Juni 2002
Einsehbar auch unter : www.uni-graz.at/zv1www/mi020628m.html