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DER FREIE ARZT - Nr. 4/2002


Dr. Peter Topolovec Dr. Norbert Meindl Dr. Wolfgang Florian

 

Facharzt für Allgemeinmedizin

 

Im Rahmen des Österreichischen Ärztekammertages in Pörtschach im Juni 2002 hat der Präsident der Steirischen Ärztekammer W. Routil einen Leitantrag gestellt, mit dem Inhalt, die Österreichische Ärztekammer möge die rechtliche Grundlage zur Schaffung des Facharztes für Allgemeinmedizin prüfen.

Mit diesem Antrag identifiziert sich Routil inhaltlich mit der Errichtung eines Facharztes für Allgemeinmedizin.

Begründet wird dieser Antrag mit einer EU-Richtlinie, die Richtlinie 93/16/EWG – auch Ärzterichtlinie genannt und dem Vorschlag der EU-Kommission KOM(2002)119 vom 07.03.2002.

Diese Richtlinie fordert jedoch nicht die Umsetzung eines Facharztes f. Allgemeinmedizin, sondern lediglich die Anerkennung von Berufsqualifikationen bei Migration.

Ein privater Verein mit Sitz in Brüssel – UEMO – bestehend aus Praktischen Ärzten einiger EU-Länder – initiiert jedoch die Umsetzung des Facharztes für Allgemeinmedizin und fordert seine nationalen Schwesternorganisationen auf, dies in den Ländern umzusetzen.

Was bringt der Facharzt für Allgemeinmedizin ?

Stellt es eine echte Aufwertung der Tätigkeiten der derzeitigen Praktischen Ärzte dar ?

Besteht nicht vielmehr die Gefahr einer Einschränkung des ärztlichen Tätigkeitsbereiches des Praktischen Arztes ( Facharztbeschränkung ) mit Folgewirkungen auf das Leistungsspektrum der einzelnen Sozialversicherungsträger ?

Oder handelt es sich bei dieser Intention ( Leitantrag Routil’s ) nicht vielmehr nur um ausgeprägten Profilierungsdrang einzelner Funktionäre und des derzeitigen Präsidenten der Steirischen Ärztekammer ?

Diese Idee, bedingt durch die partiell aufgehobene Abgrenzung zu anderen Fachgruppen, wird heftige Diskussionen auslösen.

In Deutschland hat dieses Vorhaben zu einer Zerreißprobe der Gesamtärztekammer geführt und musste deshalb aufgeschoben werden.

Welche Aufgaben werden dann den Fachärzten für Innere Medizin, Kinderheilkunde, HNO, etc. noch zufallen ? Kommt es zu einem KO-Katalog nach deutschem Vorbild ?

Auf eine Anfrage eines Mitgliedes der Kurie Angestellter Ärzte in der ÄK f. Stmk begründete der Präsident W. Routil die Schaffung des Facharztes für Allgemeinmedizin mit dem Hinweis auf eine Notwendigkeit zur medizinischen Versorgung in Österreich !?!

Die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin soll 6 Jahre dauern, anschließend kann die Niederlassung als Facharzt f. AM erfolgen.

Unklar ist dann die Abgrenzung zu derzeitigen Ärzten f. Allgemeinmedizin – "Zweiklassenmediziner" Seite an Seite im selben Ort ?

Welche Wahl trifft dann der verunsicherte Patient ? – Wird der "Facharzt f. AM" dem Arzt f. Allgemeinmedizin vorgezogen ?

Dieses Vorhaben, welches in seinen Auswirkungen nicht ausreichend überdacht ist, gefährdet die Einigkeit des Ärztestandes und ein gut funktionierendes medizinisches Versorgungssystem.

Wir vertreten die Auffassung, dass eine verbesserte Ausbildung, eine Anpassung des Tätigkeitsbereiches der Praktischen Ärzte und der Fachärzte an die modernen Erfordernisse der Medizin, effizienter und zielführender ist, als das Lostreten einer unnötigen Diskussion.

Ein Ärztekammerpräsident hat die Aufgabe die Interessen des gesamten Standes zu wahren und nicht durch Forcieren von Partikularinteressen zu verunsichern.