DER FREIE ARZT -
Nr. 4/2002
Dr.
Jörg Garzarolli, Obmann
der AKTION FREIER ARZT, 2. Vizepräsident in der ÄK Steiermark
DER AKTUELLE KOMMENTAR
Die Abspaltung einer Gruppe von Spitalsärzte-Funktionären Ende Oktober d.J., noch dazu in den Personen des Kurienobmannes und seines Stellvertreters samt einigen anderen Mitgliedern der Kurie Angestellte Ärzte, und die Gründung einer neuen Spitalsärzte-Fraktion kam im Grunde nicht überraschend.
Die Ereignisse sind Ausdruck einer Entwicklung, die sich auf mehreren Ebenen abgespielt hat : begonnen hat es eigentlich schon mit der Reform der Ärztekammer in eine Kurienkammer, die insbesondere auf Ebene der Österr. Ärztekammer zu Unruhe und zur Auslösung von Begehrlichkeiten geführt hat. Eng verbunden mit insbesondere der Person der Bundes-Kurien-Obfrau wurden die ersten Gräben aufgetan, die ein Präsident Pjeta nicht in der Lage war, auszugleichen – obwohl dies eine seiner wichtigsten Aufgaben gewesen wäre.
Ähnliches hat sich neben angeblich auch höchstpersönlichen Differenzen in der Steiermark abgespielt. Der hiesige Kurienobmann hat sich zwar sehr oft von den Ambitionen und Aussagen der Bundes-Kurie distanziert. Ein echter Interessensausgleich und das Verständnis für spezifische Angelegenheiten der angestellten und niedergelassenen Ärzte ist aber auch dem steirischen Präsidenten offensichtlich nicht gelungen.
So stehen wir vor einer Situation, die zwar aus der erwähnten Entwicklung heraus nachvollziehbar ist, die jedoch als höchst bedenklich einzustufen ist: die Formierung einzelner Ärztegruppen ist das Ungünstigste, das die gesamte Ärzteschaft brauchen kann. Ein Patchwork von Einzelgruppen wird niemals halten - die Gesamtheit des Standes ist gefährdet.
Nur absolut gemeinsam hat die Ärzteschaft überhaupt eine Chance, sich den zunehmenden Bedrohungen und Angriffen von außen zu widersetzen, Einzelgruppen welcher Konstellation auch immer, die zur Spaltung der gemeinsamen Standesvertretung führen, stünden auf verlorenem Posten. Die Politik würde mit größtem Genuss die internen Querelen beobachten und die Uneinigkeit als Schwäche ausnützen.
Hat es der derzeitige Präsident offensichtlich nicht geschafft, den Beginn eines möglichen Auseinanderdriftens zu verhindern, so wird nach der Wahl im kommenden Jahr der nächste Präsident auch nach dieser Fähigkeit zu bemessen sein.
Der Entwicklung der Gesundheitspolitik in toto, der Entwicklung der Arbeits- und Einkommensbedingungen für alle Ärzte ist nach Studium der veröffentlichten Parteiprogramme zur Nationalratswahl mit größtem Misstrauen entgegenzusehen.
Nur eine einige Ärzteschaft mit fähigen Funktionären an ihrer Spitze wird den angekündigten Entwicklungen mit Nachdruck und Erfolgsaussichten entgegentreten können - darin sieht auch das Team der AKTION FREIER ARZT das Hauptziel für die Zukunft.