DER FREIE ARZT - Nr. 2/2004
Dr. Jorg Garzarolli, Obmann der Aktion Freier Arzt
DER AKTUELLE KOMMENTAR
Nach Willen der Politik steht Österreich – Ärzten und Patienten – in diesem Jahr wahrscheinlich eine der größten Veränderungen im österreichischen Gesundheitswesen seit Gründung der sozialen Krankenversicherungen bevor : die Gründung sg. "Gesundheitsagenturen" auf Bundes-und Länderebene.
Ziel ist es, die Finanzierungsmittel Steuern und Krankenversicherungsbeiträge zu zentralisieren, gleichzeitig aber auch die Verteilung der Gelder in die Spitäler und in die Praxen der Niedergelassenen zu steuern bis hin zur Einflussnahme auf Vertragsvergaben.
Man getraut sich das Wort "Qualität" noch in den Mund zu nehmen, kündigt dabei aber an, dass derjenige eine Leistung (bezahlt) erbringen soll, der sie am billigsten anbietet – möglicherweise außerhalb einer gesamtvertraglichen Regelung.
Abgesehen von der Frage, welchen Einfluss die Ärzteschaft auf das ganze procedere haben soll bzw. kann, wird hier einem quasi-staatlichen Dumping-System Tür und Tor geöffnet mit zu befürchtenden Verteilungskämpfen Spital vs. Niederlassung bzw. innerhalb der niedergelassenen ÄrztInnen.
Das kann und darf es nicht geben – ein österreichweiter casus belli könnte möglicherweise vorprogrammiert zu sein , wenn es nicht zu annehmbaren Lösungen kommt. Niederfahren wird sich die Ärzteschaft jedenfalls sicher nicht lassen.
Abzuwarten ist, was sich zum Thema "chefärztliche Genehmigung" ergeben wird: von der AKTION wird kein Modell unterstützt, welches in Menge, Zeitaufwand und Kosten unkalkulierbare bzw. unzumutbare Größen beinhaltet, welches "brav = nur billig" und "schlimm = zu teuer" verschreibende Ärzte definiert und pressierende Rückzahlungsmodalitäten vorsieht. Diese Ablehnung wurde bereits in der letzten Niedergelassenen-Kurienversammlung von uns deponiert.
Im Spitalsbereich werden in nächster Zukunft die Themen Nebenbeschäftigungsverbot, Arbeitszeitregelung aus Sicht der EU, Flexibilisierung der Arbeitszeit und die Frage einer adäquaten Grundgehalts-Neuordnung im Mittelpunkt stehen.
Nach langer Zeit des Schweigens und Unsicherheit scheint sich auch in der Frage der zukünftigen Vertretung der Zahnärzte etwas zu bewegen : dem Vernehmen nach wird eine Lösung "Bundes-Zahnärzte-Kammer" mit Weiterbestehen der Kurien auf Länderebene nun ernsthaft ins Auge gefasst. Man wird sehen …
Dr.Jörg GARZAROLLI
Obmann der AKTION FREIER ARZT
P.S.: Es würde uns freuen, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen bei der Nachfolgeveranstaltung des seinerzeitigen Ärzteballes in Form eines spektakulären Frühsommer-Events der Ärztekammer für Steiermark am 19.Juni in der Grazer Stadthalle begrüßen zu können – dieses gesellschaftliche Ereignis soll der Unterhaltung und Kommunikation gewidmet sein !