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DER FREIE ARZT - Nr. 3/2004


Dr. Jörg Garzarolli, Obmann der Aktion Freier Arzt

 

DER AKTUELLE KOMMENTAR

Ein "heißer" Herbst steht vor der Tür …

In den kommenden Wochen wird es wahrscheinlich zu einer Reihe von Entscheidungen  kommen, welche weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Ärzteschaft haben werden: zum Einen tritt die Diskussion um die allgemeine Gesundheitsreform einschließlich der nach politischem Willen neu zu gründendenden Gesundheitsagenturen in eine entscheidende Phase. Wie bereits mehrfach berichtet, könnte sich für die österreichischen ÄrztInnen eine fast als Bedrohungsszenario zu bezeichnende Entwicklung ergeben. Die ministeriell präsentierten Vorschläge kommen nahe an eine Quasi-Verstaatlichung heran : Konzentration der fachärztlichen Versorgung in den Spitalsambulanzen sowie Einschränkung der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung, weitere Belastungen der Spitalsärzte durch zunehmende Tätigkeiten in den Ambulanzen, Vorrang für Ökonomie vor Qualität, Diktat der Honorare für alle Niedergelassenen, womöglich Wegfall von Gesamtverträgen, Infragestellung der freien Arztwahl – um nur einige Punkte zu nennen.

Es geht nicht um Panikmache sondern um Sensibilisierung darauf, dass sich die Ärzteschaft geschlossen auf mögliche Protestaktionen bis hin zu Kampfmassnahmen einzustellen hat : die geplante Reform darf keinesfalls auf dem Rücken der ÄrztInnen und der Patienten dieses Landes ausgetragen werden - vernünftige Alternativmodelle wurden bereits ausgearbeitet und präsentiert. Deutschland sollte ein abschreckendes Beispiel sein, wie eine Reform nicht zu gestalten ist !

Für den Herbst wird ferner die Ärztegesetznovelle erwartet, in welcher auch die zukünftige Standesvertretung der Zahnärzte geregelt sein soll. Es deutet Vieles darauf hin, dass es zu einer völligen Trennung auf Bundes- und Landesebene kommen könnte mit der einzigen Ausnahme eines weiterhin gemeinsamen (dann aber möglicherweise ausgelagerten) Wohlfahrtsfonds. Somit wird dem bisher gemeinsamen Ärztestand ein wichtiges Glied wegamputiert, ein Faktum, das ALLE Ärzte zumindest indirekt trifft. Bemühungen, die Fachärzte ZMK im Hause EINER ärztlichen Standesvertretung zu halten, könnten letztendlich auch auf Grund teilweise fast irrwitziger Vorstellungen über eine neue innere Struktur scheitern – Vorstellungen, die von der Bundeskurie der Niedergelassenen mitgetragen werden.

Dass die steirischen Kassenvertragsärzte nach derzeitigem Stand bestenfalls mit der (noch ?) vertraglich fixierten Honorar-Indexierung werden rechnen können, soll letztendlich nicht unerwähnt bleiben.