DER FREIE ARZT - Nr. 3/2004
Dr. Hubert Fruhmann, Co-Referent für Postpromotionelle und Arbeitslose Mediziner
Spitalsrationalisierung – Ende der Ausbildung ?
Die geplanten Schließungen bzw. Veränderungen der chirurgischen
Abteilungen der LKH`s Voitsberg, Fürstenfeld, Mürzzuschlag und Bad Aussee haben
gravierende Änderungen für Turnusärzte zur Folge.
Es droht:
1.) Streichung der
Ausbildungsstellen zum Facharzt für Chirurgie
2.) Streichung der
Ausbildungsstellen zum Arzt für Allgemeinmedizin (Turnus)
Laut geltender Ausbildungsordnung können aufgrund unzureichender
Vermittlung von Ausbildungsinhalten ( drastische Reduktion der OP-Kataloge,
Wegfall der Nachtdienste und massiver Rückgang der Patientenfrequenzen ) diese
Abteilungen in Zukunft nicht mehr als Ausbildungsstellen zum Facharzt für
Chirurgie oder zum Arzt für Allgemeinmedizin anerkannt werden.
Daraus ergibt sich zwangsläufig :
* Für Postpromotionelle : noch längere Wartezeiten bis
zum Beginn der Turnusausbildung ( neues Nadelöhr Chirurgie ? ) - die aktuelle
offizielle Wartezeit beträgt dzt. schon 2-3 Jahre !
* Für Turnuskollegen , die an diesen chir. Abteilungen
Dienst verrichten : Zusätzlich zur fehlenden Anerkennung als
Turnusausbildungsstelle ( Anerkennung nur als Lehrambulanz ) werden sich durch
Wegfall der Nachtdienste erhebliche Einkommensverluste ergeben.
* Für Turnuskollegen
allgemein :
Durch die Verminderung der Dienstposten werden Möglichkeiten für Warteschleifen deutlich verringert: Hier droht das Ende der zugesicherten ununterbrochenen Turnusausbildung, das heißt eventuell nur mehr Gewährung befristeter Dienstverhältnisse pro Turnusausbildungsfach und Einstellung erst wieder bei Freiwerden der nächsten Stelle.
Horrorszenario : Vor Derma nicht 6 Monate Chirurgie als Warteschleife, sondern 6 Monate Arbeitslosigkeit mit Notwendigkeit der Selbstversicherung!
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Zusätzlich droht durch die ständigen Unterbrechungen
eine unnotwendige Verlängerung des Turnus.
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Verminderung der Ausbildungsqualität, weil gerade
ein Turnusarzt in der Peripherie noch sehr eigenständig arbeiten musste und
durfte.
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Die Möglichkeit einer Turnusverlängerung – eine
Zeit, die man bisher intensiv für Stellenbewerbungen nutzen konnte, mit dem
großen Vorteil , schon das jus practicandi zu besitzen und sofort verfügbar zu
sein - wird es wahrscheinlich nicht mehr
geben.
* Für Turnusärzte, Arbeitslose Mediziner und für
Postpromotionelle :
Weitere Reduktion der
möglichen Ausbildungsstellen zum Facharzt.
Leider muss man zusammenfassend
sagen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht exakt absehbar ist, wie
sich die Dinge weiterentwickeln und mit welchen Konsequenzen für den ärztlichen
Bereich die beabsichtigten Änderungen verbunden sein werden.
Eine Verbesserung für Postpromotielle, Turnusärzte und arbeitslose
Mediziner, wird aber mit Sicherheit nicht eintreten.
Verbannung einer Gleichgültigkeit, wenn nicht das eigene Haus betroffen
ist, sowie Solidarität mit den Betroffenen und kritische Betrachtung einseitig
lancierter Medienberichte, ist jetzt von allen gefordert.
Nur die starke Standesvertretung mit Augenmerk auf zukünftige
Entwicklungen und das Interesse jedes
einzelnen steirischen Arztes kann uns vor weiteren gravierenden Einschnitten
bewahren, oder zumindest die politisch Verantwortlichen auf die weitreichenden
Konsequenzen ihres Handelns hinweisen.