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DER FREIE ARZT - Nr. 4/2004


OA. Dr. Wolfgang Florian   OA. Dr. Eiko Meister

Rufmord an Spitzenmedizin !

Wenn Politikern die Argumente fehlen, wenn der Hauptverband merkt, dass er an die Wand gedrückt wird, dann greift man in Österreich neuerdings zu drastischen Mitteln.

Ohne über exaktes Zahlenmaterial zu verfügen, ohne irgendeine seriöse Recherche zu betreiben, werden wahllos Schmutzkübel an Beschuldigungen über Spitzenmediziner ausgeleert.

Beate Hartinger als Geschäftsführerin des Hauptverbandes der Sozialversicherungen spricht von „Geschäftemacherei“, als wollten sich Chirurgen durch „sinnlose“ Operationen bereichern.

Selbst sonst als seriöse bezeichnete Medien, wie die „Presse“, der „ Standard“ und der „Kurier“ beteiligen sich an einer unsauberen Medienhetze, die nur dazu dienen soll, den Ruf exzellenter Primarärzte und Beihilfe leistender Chirurgen zu zerstören.

So geschehen bei der „Blinddarmaffäre“ in der Steiermark.

In der Retrospektive ( nach Durchsicht der histologischen Präparate und Befunde ) musste festgestellt werden, dass lediglich 2 % (in Worten: zwei Prozent) der stattgehabten Appendektomien histologisch keine akute Appendix ergaben. (In der internationalen Literatur werden mehr als 10 % negative Histologien toleriert).

Das heißt, die Anschuldigungen waren falsch – einfach unrichtig und willkürlich, wie vieles in der derzeitigen Gesundheitspolitik.

Man greift sich einfach irgendwelche Zahlen aus irgendeiner Statistik – vergleicht mit irgendeiner Bevölkerungszahl im beliebigen Ort – und trifft irgendeine Aussage.

Als würde ein einziger Primararzt mehr Gehalt lukrieren durch eine zusätzliche Operation – oder könnten die 5 % bis 7 % Appendektomien an einer chirurgischen Abteilung irgendetwas ändern an der Auslastung? Oder würde die Punkteverschiebung durch Mehrleistung einer LKH-Abteilung irgendetwas ändern bei 88 % Marktbeherrschung durch die KAGes?

Ganz andere Gründe entsprechen der Wahrheit! 

Wenn in der Steiermark die Wartezeit auf eine Kataraktoperation 13 Monate beträgt, ist es nur zu verständlich, wenn geschickte Hausärzte ihre Patienten nach Salzburg zur Operation entsenden – nur dass dort (welch’ Wunder) dann überdurchschnittlich viele Kataraktoperationen stattfinden!

Oder wenn das LKH Weiz ein riesiges Einzugsgebiet versorgt, wundert es wenig, dass mehr Blinddärme operiert werden, als sie Stadtbewohner in Weiz haben dürften.

Der Vorwurf unnotwendige Operationen durchgeführt zu haben ist aber eine klare Kriminalisierung – das entspricht dem Tatbestand der schweren Körperverletzung.

Der unwiederbringliche Schaden am Vertrauen unserer Patienten ist jedoch durch diese Publikationen schon eingetreten und wird auch durch etwaige Dementi nach genauer Prüfung nicht mehr gut zu machen sein.

Schamlose Verwendung krimineller Anschuldigungen und Rufschädigende Herabsetzung der existenten Spitzenqualität in der Medizin sind scheinbar die einzigen Stilelemente unserer Politik, wenn es darum geht, einfach nicht zugeben zu wollen, dass die Finanzierung des Gesundheitssystems politisch schlicht abgelehnt wird – es sind dies die modernen Stilmittel, um eine Schließung einiger Spitäler und eine Verringerung des frei zugänglichen medizinischen Angebots unseres Landes medial vorzubereiten.