DER FREIE ARZT - Nr. 4/2004
Dr. Norbert Meindl
Dr. Jörg Garzarolli
MR. Dr. Michael Holzer
Vorsorgeuntersuchung – NEU
„Es kreißten die Berge, ein Mäuslein wurde geboren“; mit diesem alten Spruch lässt sich die groß angekündete Reform der Vorsorgeuntersuchung beschreiben.
Was wurde durch die Frau Gesundheitsminister und dem ärztlichen Chefverhandler Koll. Pruckner nicht alles an Neuheiten und Verbesserungen für alle Österreicher und uns Ärzte angekündigt!
… doch wie sieht diese „GU-Neu“ nun wirklich aus?
Das Labor wurde bis auf drei Parameter radikal abgespeckt. Vier weitere werden bis 2006 in einer Übergangsphase fortgeführt. Die Koloskopie ist zu noch unklaren Bedingungen vorgesehen, die kleine Lungenfunktionsprüfung wurde geopfert.
Die „GU Neu“ reduziert sich somit im Wesentlichen auf eine äußerst diffizile und aufwändige Anamnese-Erhebung, in welcher die Untersuchten detailliert auf diverse Gewohnheiten durchleuchtet werden – was insgesamt zur Erstellung eines personifizierten Risikoprofiles führen soll.
Werden die Probanden damit zufrieden sein? Erwarten sie sich nicht mehr von einer Vorsorgeuntersuchung? Wird dieses Programm die so wichtige und angestrebte Frequenzsteigerung der Inanspruchnahme bringen?
Wir zweifeln daran!
Da eine aussagekräftige Gesundenuntersuchung unserer Meinung nach die vielfältigsten Krankheiten bereits im Frühstadium erkennen sollte, müssten hierfür diverse Fachrichtungen – noch mehr als bisher! - eingesetzt werden.
Der Hinweis des kassenärztlichen Referenten, Dr. Tschojer, auf die Möglichkeit von Überweisungen an spezielle Sonderfächer beim Verdacht auf ein fachspezifisches Krankheitsbild ist ein milder Trost. War es doch auch bisher keinem Kollegen/in verwehrt, bei entsprechender Vermutung einen Überweisungsschein auszufüllen! Der springende Punkt aber ist der, dass solche aus der GU sich ergebende Leistungen (auch z.B. weitere nötige Laboruntersuchungen) aus allen noch bestehenden Limiten und Degressionen herauszuhalten wären!
Alles in allem haben wir eine GU-Neu, welche den Probanden weit weniger als bisher das Gefühl vermitteln wird, dass er wirklich etwas für seine gesundheitliche Vorsorge getan hätte. Die Erhebung von Risikofaktoren und –profilen alleine wird nicht angetan sein, unsere Bevölkerung zu Mehrinanspruchnahme zu motivieren. Und die Ärzteschaft ist unzufrieden, weil einerseits das Grundprogramm ein Torso ist und andererseits wichtige Untersuchungen im Sinne der Vorsorge von den Fachärzten auch weiterhin nicht unmittelbar einzubringen sind.
Eigentlich schade – wieder einmal eine vergebene Chance …