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DER FREIE ARZT - Nr. 4/2004


Dr. Henrike Krenn

 

Wahlärzte und ihre Vertretung

Viele junge Wahlärzte verdienen sich Unterhalt und Punkte fürs Reihungsschema durch das Vertreten von Kollegen mit Kassenverträgen. Etablierten Kollegen mit Kassenverträgen haben es vielleicht satt, lästige Wochenend-Dienste zu machen, oder möchten mehr Freizeit für Sport und Fortbildung, oder engagieren sich standespolitisch.

Wie findet man als junger engagierter Wahlarzt eine Vertretungsmöglichkeit? Die neueste Suchmaschine heißt www.docanddoc.at. und wurde von der Bundeskurie für niedergelassene Ärzte um 5000 Euro in Auftrag gegeben. Wenn man darin geführt werden möchte, muss man monatlich € 6 (jährlich € 72) bezahlen. Für einen jungen Wahlarzt, der wirtschaftlich schlecht gestellt ist, sind das lästige Kosten.

Der Bundeskurienobmann Dr. J. Pruckner rechtfertigt den 6-Euro-Beitrag damit, dass nur wirklich interessierte Kollegen in der Liste geführt werden sollen.

Ist das Vermitteln von Ärzten untereinander nicht Pflicht und eine Serviceleistung einer Ärztekammer?

In der Steiermark wurde in den vergangenen Monaten an einer kostenlosen Vertreterbörse gebastelt. Bisher ohne Erfolg, weil eine unbürokratische Vernetzung über die Ärztekammer-Homepage nicht möglich ist, da der Server überlastet ist. In den vergangenen Jahren wurde versäumt, die EDV-Anlage in der Steirischen Ärztekammer auf dem neuesten Stand zu halten. Erst unter der neuen Kammerführung wird die elektronische Kommunikation ausgebaut und verbessert und damit eine der übernommenen Altlasten beseitigt.

Um in bürokratischer Kleinarbeit eine Vertreterbörse aufzubauen, benötigt man engagiertes Personal. Die Kurie der niedergelassenen Ärzte hat dafür keine freien Resourcen- außerdem ist es nicht notwendig, denn es gibt ja die kostenpflichtige www.docanddoc.at.

 Auch wenn die derzeitige Kammerführung Vieles bewegen kann, hat sie keine Mehrheit in der Kurie der niedergelassenen Ärzte. Sinnvolle und brauchbare Serviceleistungen können wir daher nicht durchsetzen. Wahlärzte sind in dieser Kurie scheinbar noch immer lästige Stiefkinder.

Bereits jetzt ist bekannt, dass in Zukunft ein ADSL-Anschluß und die Gina-Box obligat in jede Arztpraxis gehören werden, um die E-Card der Patienten lesen zu können. Und diese Erneuerungen machen auch vor Wahlärzten nicht halt. Die Gina-Box wird den Kassenärzten bezahlt, aber die Wahlärzte müssen selbst in die Tasche greifen. Kosten voraussichtlich ca. € 400. Für den Wahlarzt sind 150 Vorsorgeuntersuchungen notwendig, um finanziell unterstützt zu werden. Wann kämpft der Herr Kurienobmann endlich auch für uns Wahlärzte?

Meine Anfrage in einer Kuriensitzung, wie ein Wahlarzt seinen Ordinationsbedarf und seinen Notarztkoffer bestücken soll, erregte kein Interesse bei Pruckner und Millauer.

Sprüche wie: "Musst halt, an niedergelassenen Kassenarzt oder an Pharmavertreter anschno’an" oder "Habt´s nix im Spital?" sind jedenfalls für uns Wahlärzte keine befriedigenden Lösungsvorschläge!