DER FREIE ARZT - Nr. 2/2005
Dr. Norbert Meindl
MR. Dr. Jörg Garzarolli
E-card-Rollout voll im Gange
Auf politischen Willen hin und wohl auch nicht ohne finanzielle Motivation werden Österreichs Bevölkerung und Ärzte derzeit von der e-card im wahrsten Sinne des Wortes überrollt.
Im Vorfeld wurde immer wieder von Seiten der Bundeskurie Niedergelassene in personam Dr. Jörg Pruckner unisono mit dem Hauptverband versucht, die angeblichen Vorteile für die Ärzteschaft schmackhaft zu machen. Selbst die Informationen der Kurie erwiesen sich eine Woche später als Makulatur ( z.B. der kostenlose Zugang zum Peering Point ).
Zahlreiche Unklarheiten und Pannen wurden in vielen Stunden der Verhandlungen zu klären versucht, unzählige Schreiben von allen möglichen Seiten überfluteten die Ärzte. Fast wöchentlich änderte sich die Situation – nur wenige kannten/kennen sich noch aus.
Man kann sich des
Eindruckes nicht erwehren, dass ein unausgegorenes Projekt noch in der
Umsetzungsphase laufend adapiert wurde und wird. Das so „erfolgreiche“
Pilotprojekt im Burgenland verlor nach anfänglichen Jubelmeldungen nach
Bekanntwerden von Details sehr viel an Glanz.
Den praktizierenden Ärztinnen und Ärzten wird mit dem Projekt eine Zwangsbeglückung zuteil :
Ø finanzieller Aufwand in teilweise noch unbekannter Höhe (Kosten für Hard-und Software – Adaptierungen, Kosten für technische Anpassungen in den Praxen, Kosten im laufenden Betrieb, wie der auch bis jetzt noch nicht voll ausverhandelte Vertrag der Peering Point-Ges.mbH mit den Providern )
Ø Verunsicherung betreffend Datensicherheit
Ø zeitlicher Mehraufwand im administrativen Bereich
Ø mehr oder weniger Verpflichtung, den Internetverkehr über den Peering-Point abzuwickeln
Ø drohende Gefahr des „gläsernen Arztes“ spätestens im Vollbetrieb (Stecken der Patientenkarte bei jedem Kontakt, e-Rezeptur usw.)
Dem gegenüber wirken die gepriesenen Vorzüge für uns Ärzte recht dürftig: keine Krankenschein-Mahnungen mehr, Abrechnung schneller, weniger Papierkrieg.
Dem technischen Fortschritt wird sich in der heutigen Zeit niemand verschließen können, sofern er dem Anwender tatsächlich spürbare Vorteile bringt.
Was hier jedoch passiert und noch alles passieren wird, ist schlichtweg eine Quasi-Vergewaltigung, verbunden mit Belastungen, die ausschließlich von der Kollegenschaft zu tragen sind.
DAS ist nicht ohne Kritik zu akzeptieren !
Keinesfalls zumutbar ist das Stecken der Ecard bei jedem Arztkontakt ab 2008 – hier fordern wir den Hauptverantwortlichen für die Ecard-Verhandlungen, Dr. Jörg Pruckner auf, diesen Passus im Vertrag nachzuverhandeln und zu eliminieren !
Wichtig wird ein akkordiertes Vorgehen der Fachärzte und der Allgemeinmediziner, der Vertragsärzte und der Wahlärzte sein. Dazu gehört die interne Kommunikation genauso wie das lückenlose Einheben eines Einsatzes, wenn die Card nicht beigebracht wird – nur so werden die Patienten erzogen werden können, dass das Plastikstück mit Chip die „Bankomatkarte“ für Inanspruchnahme ärztlicher/medizinischer Leistungen ist.
Mit Spannung und nicht ohne Sorge werden die noch kommenden Entwicklungen abzuwarten sein, hoffentlich mit weniger Pannen und ohne weitere insbesondere finanzieller Belastungen.
In dieser Causa ist das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen ...