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DER FREIE ARZT - Nr. 1/2006


Dr. Norbert Meindl

Der Weg in die Falle…

Die Pressemeldungen der letzten Monate, aus denen zu entnehmen ist, dass der Hausarzt aufgewertet werden soll ( muss ), wiederholen sich stereotyp. So wird unter anderem der Kassenabschluss der Wiener Ärztekammer mit der Wiener GKK damit begründet, dass ein sehr erheblicher Teil der Honoraranhebung den Ärzten für Allgemeinmedizin zukommen soll, damit diese in Hinkunft verstärkt die Funktion des „Managers für die Patienten“ im Gesundheitssystem übernehmen können, aber auch in diversen Parteiprogrammen von politischen Großparteien finden solche Forderungen ihren Platz.

Dass die Kollegen für Allgemeinmedizin im Wiener Tarifsystem bisher nicht überbezahlt waren, ist eine Tatsache. Die diesjährige Erhöhung aber mit der zukünftigen Funktion eines „Managers im Gesundheitssystem“ zu verknüpfen, scheint mehr als hinterfragungswürdig zu sein. Haben die Kollegen in Wien etwa bisher ihre Patienten planlos herumirren lassen ? Oder stellt sich die Wiener Kasse hier ganz andere Wege in der Zukunft vor? Etwa die, dass der Arzt für Allgemeinmedizin (er soll ja der zukünftige „Manager“ sein) dafür auch die Verantwortung trägt, wie viel Kosten sein managen „verursacht“? Soll das  heißen, dass er dafür in Zukunft als nächsten Schritt ein Budget zu verantworten haben wird - wie das bei Managern in der Wirtschaft gehandhabt wird - und bei „Budgetüberschreitung“ dafür gerade stehen muss, sprich Honorareinbehaltungen wird hinnehmen müssen?

In Deutschland sind solche Modelle bereits in der Umsetzung, Hunderte Praxen müssen bis zu 10.000,- € an die sozialen Krankenversicherungen wegen Medikamentenkostenüberschreitungen refundieren, oder schließen nach Aufbrauchen der ihnen zugeteilten Geldmenge vor Ende des Jahres. Auslaufende Stellen können zum Teil wegen Unattraktivität und enorm hoher Belastung nicht mehr nachbesetzt werden.

Mit neuen, zum Teil sehr wohlklingenden, ständig wiederholten Worthülsen wird hier eine komplette Umgestaltung des bisherigen Gesundheitssystems vorbereitet. Ein Budgetrahmen gibt dann vor, wie ausgeprägt dann z.B. eine Grippewelle oder die Häufigkeit von schweren Erkrankungen zu verlaufen hat oder wie intensiv die Betreuung der Patienten zu sein hat, selbstverständlich flankiert von ausführlicher Dokumentation.

Kostenintensive Behandlungen werden in der Folge vermehrt an die Krankenhäuser verwiesen, wo dann die Patienten von überlasteten und schlecht bezahlten Krankenhausärzten behandelt werden – oder solche „teure“ Patienten werden einfach von Kollegen zu Kollegen weitergeschickt. Ebenso davon betroffen wäre damit auch die freie Arzt / Krankenhauswahl.

Das ärztliche Handeln läuft Gefahr, von der Ökonomie bestimmt zu werden und nicht mehr von der medizinischen Notwendigkeit.

Wenn es in unserem Land erst einmal soweit ist, sitzen wir in der Falle -  Patienten und Ärzte -  und keiner war`s, der diese Fallen aufgestellt hat.

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