DER FREIE ARZT - Nr. 1/2006
Dr. Norbert Meindl
Dr. Wolfgang Florian
AKTION – Facharzt
Der niedergelassene Facharzt – Ein Auslaufmodell oder Garant für Qualität ?
Jahrzehntelang wurde dafür geworben, eine wohnortnahe fachärztliche Versorgungsstruktur aufzubauen. Neue Facharztstellen wurden im niedergelassenen Bereich geschaffen. Die Versorgungsqualität hat damit vor allem im ländlichen Bereich stark zugenommen. Die Sozialversicherungen verkündeten stolz ihre Leistungen in der Angebotsplanung.
Plötzlich trat ein Umdenken in der Politik ein. Die Bereitschaft, Gesundheit im vollen Umfang weiter zu finanzieren sinkt. Die wirtschaftliche Entwicklung wird als Begründung angegeben. Rationalisierung wurde zum „Top-Schlagwort“. Die Einnahmen der Sozialversicherungen werden weniger, während die Ausgaben im Gesundheitssystem aber ansteigen. Es entstand eine immer größer werdende Lücke in der Finanzierung der Krankenversorgung, man hatte also ein Einnahmenproblem.
Somit waren sogenannte Reformen gefragt und die dafür notwendigen Experten auch rasch gefunden. „Gesundheitsökonomen“ hatten und haben ihren großen Auftritt, die ÖBIG tat und tut noch immer so , als sei sie unverzichtbar, Strukturreformvorschläge und –pläne werden vorgelegt, die Frau Gesundheitsminister ist angetan. Die Strategen am grünen Tisch haben Hochkonjunktur.
Derjenige, den es aber betrifft, nämlich der Patient, wird nicht gefragt.
Ihm sollen weite Wege in überfüllte Ambulanzen zugemutet werden, in denen er keine freie Arztwahl hat. Die Politik spricht von „wirtschaftlichen“ Versorgungszentren – man könnte meinen von fabriksähnlichen Einrichtungen.
Die Folge ist, dass dem niedergelassenen Facharzt, vorerst vor allem den Radiologen und den Labormedizinern versucht wird, mit Einrichtungen im ambulant/stationärem Bereich, die dann zu allem Überfluss auch noch über Steuergelder querfinanziert sind, Konkurrenz zu machen. Aber auch in anderen Fachgebieten, wie zuletzt in der Gynäkologie/Güssing, wo eine auslaufende Facharztstelle nicht mehr nachbesetzt werden und in die Ambulanz des Krankenhauses verlegt werden sollte, baut sich ein entsprechendes Szenario auf.
Dieser Entwicklung muss mit allem Nachdruck entgegengetreten werden. Es muss wesentlich mehr auf die hervorragende, bereits bestehende hochwertige extramurale fachärztliche Versorgungsstruktur hingewiesen werden, zumal diese auch ökonomisch in einem günstigern Bereich agiert. Ein weiterer entscheidender Punkt darf ebenso nicht übersehen werden, nämlich die freie Arztwahl, die bei all den oben erwähnten Überlegungen auf der Strecke bleiben würde.
Der niedergelassene Facharzt war und wird auch in der Zukunft für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar sein. Er ist der Garant für wohnortnahe medizinische Qualität und sollte DIE Anlaufstelle vor dem stationären Bereich sein. So mancher Aufenthalt im Krankenhaus kann entfallen.
In Ländern wie Holland ist man einen anderen Weg gegangen. Dort gibt es in der Niederlassung nur Ärzte für Allgemeinmedizin. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst rasant, die Allgemeinmediziner kritisieren bereits das Fehlen von niedergelassenen Fachärzten, da die Ambulanzen- und nur dort sind Fachärzte anzutreffen- z.T. hoffnungslos überfüllt sind. Es werden Überlegungen angestellt, wie dieses System wieder rückgeführt werden kann. Das gleiche gilt für England, wo dieser Weg ursprünglich auch eingeschlagen wurde und man jetzt wieder beginnt eine neue extramurale Versorgungsstruktur mit niedergelassenen Fachärzten aufzubauen.
Es hat den Anschein, dass in der laufenden Diskussion um die Gesundheitsreform die Erfahrungen anderer Länder keinen Eingang finden. Nicht einmal die österreichische Ärztekammer gibt sich besonders bemüht diesen Aspekt hervorzuheben und konzentriert sich nur auf die Aufwertung des Allgemeinmediziners. Die niedergelassenen Fachärzte sind für sie und besonders für den Bundeskurienobmann Dr. Pruckner, kein wirkliches Thema.
Die Bundeskurie der Niedergelassenen Ärzte hat ALLE Kollegen zu vertreten und nicht nur Partikularinteressen, zumal die Zahl der niedergelassenen Fachärzte stetig im Steigen begriffen ist und schon sehr nahe an die Zahl der Allgemeinmediziner herankommt.
Dies sei unseren Kurienobleuten, vor allem denen auf Bundesebene ins Stammbuch geschrieben.