DER FREIE ARZT - Nr. 1/2006
„ Jetzt passt’s bald “, so könnte man zum vorliegenden Stand der Gehaltsverhandlungen für Spitalsärzte sagen.
Die „never ending story“ der Gehaltsverhandlungen begann vor fast zwei Jahren. Ausgangspunkt waren die derzeitig eher beschämend niedrigen Grundgehälter, die erst durch Mehrleistungen ( Nachtdienste, Wochenenddienste, Überstunden ) und Arbeitszeiten von 60, 80, 100 Wochenstunden in Summe zu einem halbwegs erträglichen Gesamteinkommen führen. Ziel war, das Grundgehalt soweit aufzubessern, dass bei gleichzeitig reduzierter Anwesenheitszeit im Spital ein Spitalsarzt nicht erst durch obstruse Überstunden oder den Betrieb einer „ Nebenbeipraxis “ zu einem gutbürgerlichen Auskommen gelangt.
Die KAGes-Führung zeigte sich initial zwar gesprächsbereit, konnektierte jedoch Gehaltsforderungen mit einer „Flexibilisierung“ der Arbeitszeit, um die Betriebe wirtschaftlicher zu führen. Argumentativ durchaus verständlich, werden doch teure Geräte ( CT, MR, Nuklearmedizin ) und OP’s für den Normalbetrieb um 15 Uhr heruntergefahren, und ist gleichzeitig sicher auch die Frage erlaubt, ob es zeitgemäß sei, dass alle Spezialambulanzen um 12 Uhr enden müssen, wo doch gerade berufstätige Patienten einen Ambulanznachmittag begrüßen würden. Weiters wurde besonders bei den Nachtdiensten ein späteres Kommen VOR dem Dienst und ein früheres Gehen DANACH moniert. Das führte bei den Verhandlungen zu immerhin 12 Monaten heftiger Diskussion über diese „Flexibilisierung“ , wobei das Endergebnis lebbar erscheint.
Durch heftigen Einsatz meinerseits konnte die Kernarbeitszeit, wenn auch reduziert auf 2 Stunden, erhalten werden, womit ein „Radldienst“ und geteilte Dienste verhindert sind. Das Wochenende und die Feiertage konnten aus der Normalarbeitszeit herausverhandelt werden und es bleibt die Normalarbeitszeit eigentlich wie gehabt von 7 Uhr bis 19 Uhr unter der Woche.
Eine wirkliche Änderung zum Status quo wird es also nur an wenigen Stellen geben.
Erst ab Herbst 2005 ging es dann ans „Eingemachte“
– die Grundgehaltserhöhung.
Und in der 14. Verhandlungsrunde, am 17. Februar 2006 geschah das Unerwartete: Plötzlich verkündet das KAGes-Verhandlungsteam eine Forderung nach einem Konjunktim über Verhandlungen beim Hausanteil der Sondergebühren, einen Rückzug der Klagesdrohung des MUG-Betriebsrates bei den nicht verrechneten Gebühren und ein Einfrieren der Turnusärztegehälter ohne Erhöhung.
Für die AKTION FREIER ARZT kam das einer glatten Kriegserklärung gleich ! Soll die Ärztekammer eine ganze Arztgruppe – die Turnusärzte – einfach in Stich lassen ? Sollen wir über reduzierte Sondergebühren uns unsere Gehaltserhöhung selbst finanzieren ?
So konnte bei der 15. Verhandlungsrunde am 2. März 2006 endlich in Ruhe und mit Vernunft weiterverhandelt und gemeinsam ein Ergebnis ins Auge gefasst werden, wo ALLE Ärzte bedacht sind, in dem gerade die „Kader“Spitalsärzte besonders hervorgehoben werden, und der durchschnittliche Erhöhungsprozentsatz wenigstens im 2-stelligen Bereich liegt.
Jetzt werden alle Ärzte bei einer Urbefragung ihre Meinung äußern können, ob sie mit diesem Ergebnis zufrieden sind. Für die AKTION FREIER ARZT wird JEDES Votum ein Arbeitsauftrag sein.