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DER FREIE ARZT - Nr. 1/2006


MR. Dr. Jörg Garzarolli, Obmann der Aktion Freier Arzt

DER AKTUELLE KOMMENTAR

Ministerium, Hauptverband, Sozialversicherungen, Länder und Krankenhausträger haben Eines gemeinsam : sie versprechen gerne und halten so gut wie nichts davon : Auslagerung ärztlicher Leistungen in den niedergelassenen Bereich, Entlastung der Spitalsärzte und Verbesserung derer Arbeitsbedingungen bzw. Gehälter, Verbesserung der Ausbildungsqualität, Entbürokratisierung usw. – Worthülsen, leere Versprechungen, politisches Geplänkel. Tatsächlich werden die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zunehmend finanziell belastet, Kontrollmechanismen unterworfen, mit Bürokratismus zugeschüttet. Der freie Ärztestand droht der staatlichen Obhut immer mehr einverleibt zu werden. Die Liste der Neuerungen ist lang: Einführung der e-card (zusätzliche unersetzte Eigenfinanzierung für die Installation, für den Betrieb, für Software-Updates), Erstattungskodex neu (Bewilligungsfaxe über kostenpflichtige Mehrwertnummer, Zeitaufwand, aufwändige ex-post-Kontrolle mit drastischen Sanktionsmöglichkeiten, beim kommenden ABS möglicherweise ohne ärztlicher Bewilligungs-/Ablehnungssignatur), Medizinproduktegesetz, Hygieneverordnung, Qualitätssicherung – allesamt mit Mehraufwand und Mehrkosten verbunden. Auf der anderen Seite Fusionierung von Krankenkassen mit einem z.T. skandalösen Honorarangebot, unterinflationärer Abschluss mit der GKK, Streitigmachen der GKK des der Ärzteschaft zustehenden Geldes aus dem ArzneiDialog. Dazu kommen dann noch Frequenzrückgänge seit Einführung der e-card, Steigerungen in allen Bereichen der Praxisführung. Der Niedergelassene gerät immer mehr unter finanziellen Druck. Drohen vielleicht auch noch deutsche Verhältnisse, wo sich bereits immer mehr ÄrztInnen überlegen, in die Niederlassung zu gehen und teilweise schon die Konsequenzen gezogen haben ? In Österreich hat die Bevölkerung leider noch nicht mitbekommen, dass ihr auch eine deutliche Verschlechterung in der niedergelassenen ärztlichen Versorgung blühen könnte. Noch wirken die schönen Worte der Verantwortlichen – wie lange noch ? Das Maß ist voll, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte stehen womöglich wieder einmal vor einem Wendepunkt. SO kann es jedenfalls nicht weiter gehen ! In der ganzen Entwicklung der letzten Jahre ist die Rolle der niedergelassenen Kammerführung zu hinterfragen: betriebsblind, zu schwach, zu konziliant, zu sehr mit dem Aufbau diverser neuer Gesellschaften u.ä. beschäftigt ? Oder vielleicht den tastsächlichen Anliegen der Ärzteschaft überhaupt schon entrückt ? In der Steiermark zeichnet sich möglicherweise eine Lösung in der Frage der Gehälter für die Spitalsärzte ab. Nicht zuletzt der Initiative von Kollegen Florian als Vertreter der AKTION im Verhandlungsteam könnte sich vielleicht eine lebbare Lösung ergeben. Die Letztentscheidung wird in den Händen der betroffenen Ärztinnen und Ärzten liegen müssen. Eines steht jedenfalls fest: erst die ZUSAMMENarbeit mehrerer Kammer-Fraktionen kann etwas bewegen, EINE Gruppierung alleine – auch oder gerade wenn sie sich nur mit einem Teil der Ärzteschaft verbunden und als deren alleinig kompetenter Vertreter fühlt – ist zu schwach oder könnte sich möglicherweise politischem Druck beugen.

Fraktionen - wie die AKTION FREIER ARZT - , welche über Gruppeninteressen hinweg ein Bindeglied der GESAMTEN Ärzteschaft darstellen, sind auch in Zukunft die besten Vertreter des Ärztestandes.

 

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