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DER FREIE ARZT - Nr. 1/2006


MR. Dr. Jörg Garzarolli, Obmann der Aktion Freier Arzt

Zukunftsaussichten (?)

Seit Jahren kämpfen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit unbezahlten zusätzlichen Aufgaben, zunehmenden unabgegoltenen Mehrbelastungen, zunehmender Bürokratisierung und Stagnation der Honorarsituation. Hinzu kommt noch die steigende Begehrlichkeit der Patienten, da diese die schrittweise Rücknahme des Leistungsangebotes einerseits und eine immer höher werdende finanzielle Selbstbeteiligung andererseits spüren. Besonders dramatisch hat sich die Situation in den letzten 3-4 Jahren entwickelt. Zu den obigen Fakten dazu kommt, dass ureigenste ärztliche Aufgaben immer mehr in die Hände anderer Gesundheitsberufe übergehen – die Ärztin, der Arzt ist oft nur mehr Erfüllungsgehilfe ( siehe Wundmanagement, Pflegeheime, ... ). Verschärft wird die Lage zudem dadurch, dass die Landschaft der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zunehmend dichter und durch Kassenfusionen die Honorarsituation deutlich verschlechtert wird. Die Zukunftsaussichten sind besorgniserregend. Wer hat diese Entwicklungen zum Teil mitgetragen, bzw. sie damit nicht abgewendet ? Erklärende und beruhigende Worte von führenden Funktionären, vor allem der Österreichischen Ärztekammer, dass man Schlimmeres verhindert hätte, sind zu wenig. KEIN Berufsstand würde es in diesem Ausmaß hinnehmen, was sich die Ärzteschaft speziell in der jüngeren Vergangenheit hat aufzwingen lassen. Dafür trägt die Bundeskurie der Niedergelassenen allein die Verantwortung. Kein Wunder also, wenn der Frust umgeht – ist doch unsere Existenzbasis gefährdet. Aus Protest beginnen sich - derzeit noch punktuell - Kolleginnen und Kollegen auf verschiedene Weise zurückzuziehen. Praxen werden vorzeitig aufgegeben, viele Kollegen in der Reihungsliste fürchten den Gang in die Praxis und nehmen die ihnen angebotene Planstelle erst gar nicht an.

Die lange Diskussion um die geplanten Ärztezentren führt in weiten Kreisen zu einer Verunsicherung: ein und derselbe Terminus wird für verschiedene Projekte verwendet – die Verwirrung ist perfekt. Es kann sich jedenfalls nur um eine Ergänzung bestehender Strukturen ohne Konkurrenzierung von Niedergelassenen handeln. Oberste Maxime für die Gründung derartiger Einheiten muss die regionalspezifische Bedarfsprüfung und die Miteinbindung der niedergelassenen Fachärzte sein, sofern diese dazu bereit sind. Speziell für die Fachärzteschaft könnten sich sonst katastrophale Folgen, wie in den Niederlanden ergeben.

Die Kurienführung der niedergelassenen Ärzte wird die Situation wieder in den Griff bekommen müssen. Ob sich alle Fehler der Vergangenheit ( kostenpflichtige Faxbewilligung, Bürokratieaufwand, Kostenbelastung durch die Ecard, überbordender Dokumentationswahn, missglückte VU-Neu ohne Coloskopie, ... ) wieder rückgängig machen lassen, wird sich zeigen.

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