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DER FREIE ARZT - Nr. 2/2006


Dr. Norbert Meindl

Vorsorge – Coloskopie: Die Zeit drängt!

 

Die VU Neu: Ein Reizthema ist um eine Fa(r)ce(tte) reicher geworden. Thema: Die Vorsorge-Coloskopie. Eine sinnvolle Einrichtung, die dazu dienen soll bei Gesunden zur Krebsvorsorge eine vollständige Begutachtung des Dickdarms vorzunehmen.

Den Verhandlern auf Bundesebene ("Mister BKO" Jörg Pruckner et. al.) ist es bis heute nicht gelungen einen einheitlichen österreichischen Tarif zu erzielen. Die VU-Neu ist ein bundesweit einheitliches Programm mit einheitlichen Tarif, daher kann es nicht sein, das Teile davon wie die Coloskopie auf Landesebene unterschiedlich bezahlt werden. Ein österreichweiter, einheitlicher Tarif hätte umgesetzt werden müssen. Man hat sich nicht einigen können und hofft stattdessen darauf, dass es in den Ländern gelingt entsprechende Tarife zu erzielen, ein klassisches Abschieben auf die Landesebene.

Niederösterreich hat das schon geschafft und liegt mit seinem Verhandlungsergebnis an der Spitze. Auch in Tirol wurde ein Tarif ausverhandelt, der zwar niedrigrer ist als der niederösterreichische, aber die Pflicht zur thermischen Desinfektion der Geräte nicht vorschreibt (die gängigen Endoskopwaschmaschinen kosten bis zu 35.000.- EUR)

In der Steiermark tut sich bisweilen wenig, dzt. gäbe es lediglich Gespräche mit der Sozialversicherung über die Tarifhöhe.

Insbesondere die endoskopisch tätigen niedergelassenen Internisten sind äußerst unzufrieden, zu Recht!

Liegt doch der derzeitige Tarif für die diagnostische Coloskopie bei der GKK bei äußerst bescheidenen EUR 67,- und inkludiert die Geräteaufbereitung, die Untersuchung und Befunderstellung. Im Falle einer Sedierung mit Midazolam und einer nachfolgenden Antagonisierung mit Flumazenil kosten die Medikamente sowie die erforderliche Nachbeobachtung mehr als die gesamte Untersuchung einbringt. Die Polypektomie ist derzeit für Internisten ohnehin keine extra bezahlte Leistung, auch hier muss es klare Definitionen der erbrachten Leistung und deren Abgeltung geben.

Wenn jetzt in Niederösterreich für die Vorsorge EUR 180,- lukriert werden können und in Tirol EUR 140,-, dann ist die Diskrepanz groß – und das bei einem bundeseinheitlichem Vorsorgeprogramm.

Das Fass zum Überlaufen schließlich bringt ein Angebot der KaGes an die GKK pro VU-Colono in einem LKH € 160,- zu verrechnen. Ein Vertrag ist mit heutigem Datum allerdings noch nicht unterschrieben. Ähnliche Angebote von Seiten der GKK soll es auch an endoskopisch tätige Privathäuser geben. Dass sich der größte Krankenanstaltenträger der Steiermark, die Kages durchaus vorstellen kann in weiteren Bereichen der niedergelassenen Kollegen zu wildern (z.B. Labordiagnostik) sei nur nebenbei erwähnt.

Die Kurienführung mit Jörg Pruckner(Mister BKO – laut Homepage der Vereinigung) und Martin Millauer(Mister VU-Neu – ebenso) ist gefordert, gute Ergebnisse vorzuweisen und klarzustellen, dass die Vorsorge primär ein Thema und Aufgabenbereich der niedergelassenen Ärzteschaft ist.

Statt zu agieren, wird wiederholt erklärt, wie schwierig die Tarifverhandlungen sind, sowohl für den therapeutischen, als auch den Vorsorgebereich. Fakt ist, dass ein Abschluss unter dem Angebot für die Spitäler an die Niedergelassenen inakzeptabel ist. Gleiche Leistung, gleicher Preis, diesen Slogan hat man in der Vergangenheit auch von einer anderen Fraktion der ÄK wiederholt zu hören bekommen, auch wenn dabei auf exakte Berechungsgrundlagen nicht eingegangen wurde.

Lebbare Ergebnisse sind also gefragt, wenn nicht, könnte es dunkel werden bei der Vorsorge im steirischen Dickdarm.

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