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DER FREIE ARZT - Nr. 2/2006


Dr. Eiko Meister

Wundmanagement: Nur für die Pflege, oder doch ärztliche Kompetenz?

 

Originalzitat aus der Homepage des WIFI Oberösterreich: "Schon längst ist professionelles Wundmanagement ein Fachbereich der Pflege geworden. Vor allen im Langzeitpflegebereich bedarf es einer ausreichenden Zahl an PflegeexpertInnen, die rund um das Thema Wundpflege mit Experten-Know-How die Patienten begleiten."

Bravo!

 

Ärztliche Kompetenz ist also im Lauf der Jahre in die Pflege entglitten.

Besonders geschäftige Vertreter der Pflege entwickeln in der Folge ausgeklügelte Weiterbildungsmöglichkeiten und erfinden im allgemeinen Trend der Pseudoakademisierung patentrechtlich geschützte Namen, wie z.B. den "Zertifizierten Wundmanager", der dann in einem "Wund Kompetenz Zentrum" (ebenso geschützter Name) tätig wird, usw.

Die komplette Ausbildung ist lange (vier volle Wochen) und teuer (aktuell bei Drucklegung 4 x 745 EUR = 2980 EUR). In Ermangelung adäquater Alternativen bietet das gleiche Consultingunternehmen auch Kurse für Ärzte an, die mit 64 Stunden zwar kürzer, aber mit Kosten von (bei Drucklegung) EUR 1900,- auch nicht eben um sonst sind. Zweifelsfrei eine Entwicklung des freien Marktes.

Da aber chronische Wunden nicht nur das chronisch venöse Ulcus cruris sind, sondern weitere komplexe Entitäten unter diesem Begriff subsummierbar sind, habe ich im Fortbildungsreferat der Ärztekammer für Steiermark gemeinsam mit der IDAF (Interdiziplinäre Arbeitsgruppe Diabetischer Fuß) ein Angebot entwickelt, das ausschließlich für Ärzte bestimmt ist.

In vier Modulen, die an Wochenenden von Oktober 2006 bis März 2007 geplant sind, wird interessierten Ärztinnen und Ärzten aus allen Fachbereichen die Möglichkeit gegeben aus interdiziplinärer Sicht die Behandlung chronischer Wunden aufzufrischen und zu vertiefen.

Vertreter verschiedenster Fachrichtungen aus dem In- und Ausland, wie auch aus der Pflege und auch der Sozialversicherung werden hier zu Wort kommen.

Der Zeitrahmen von 65 Stunden lehnt sich an das oben zitierte Angebot an, der Kostenbeitrag von EUR 950,- für alle vier Module ist aber in der Relation zum Inhalt äußerst schlank kalkuliert.

Nach Abschluss dieser Fortbildung werden Ärztinnen und Ärzte in der Lage sein Patienten mit komplexen Wunden nach dem Stand der Wissenschaft zu versorgen und bei Bedarf in Kooperation mit Zentren eine optimale Behandlung zu gewährleisten.

Es wird bei den Grazer Fortbildungstagen am 13.10.2006 erstmalig dieses qualitativ sehr hochwertige Fortbildungsangebot geben.

Ob die Schaffung eines Zertifikates bis zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein wird, hängt vom Ergebnis einer die Materie bearbeitenden Arbeitsgruppe in der Ärztekammer Steiermark unter Vorsitz von Vizepräsident Routil ab. Das Gremium wurde zwar vor Jahren eingesetzt, glänzte dis dato aber bedauerlicherweise nur durch Inaktivität.

 

Parallel zu diesem Fortbildungsangebot wird es unumgänglich sein sinnvolle Strukturen für Patienten mit chronischen Wunden zu schaffen. Beginnend bei der wohnortnahen Versorgung bedingt durch die häufige Inmobilisierung dieser Patienten bis hin zu Spezialambulanzen werden entsprechende Versorgungsstrukturen zu etablieren sein. Ein Thema, das auch den Reformpool beschäftigen sollte. Nicht nur aus Überlegungen der Ökonomie, sondern primär der Qualitätssicherung.

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