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DER FREIE ARZT - Nr. 4/2006


Dr. Marlies Gangl Dr. Andreas Stryeck Dr. Eiko Meister

Ausbildungsqualität  =  Lebensqualität !

 

Auf den ersten Blick kann dieser Satz durchaus in Frage gestellt werden. Was hat Ausbildung mit Lebensqualität zu tun?

Bei genauerer Betrachtung des Gesamtsystems, in dem Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung derzeit wirken müssen wird das Thema doch sehr spannend.

 

Unter der aktuellen Situation müssen Turnusärzte ihrer Ausbildung nachlaufen und ziehen dabei oftmals den Kürzeren. Zu Sekretariatsdiensten degradiert bleibt die Ausbildung am kranken Menschen auf der Strecke. Als Summationseffekt wird die Ausbildungszeit ohne wesentlichen Zugewinn an ärztlichen Kenntnissen und Erfahrungswerten beendet.

Mit diesem Defizit heißt es dann weiter arbeiten als Stationsarzt oder niedergelassener Arzt. Hier kommen dann weitere Erfahrungsdefizite zum Tragen. Was letztendlich zur Absicherungsmedizin aus Gründen der Haftung und der damit verbundnen Behandlungsangst führt. Das System schaukelt sich auf und kollabiert letzten Endes.

Von Lebensqualität bei allen Beteiligten keine Spur.

 

Daher muss die Ausbildung primär besser und nicht zwingend länger werden!

Die Ärzte in Ausbildung müssen die Möglichkeit bekommen die Kenntnisse und Fertigkeiten zu erlangen, die sie für ihr Berufsleben benötigen. Allgemeinmediziner müssen Kenntnisse am Ende ihrer Ausbildung auch in der Praxisführung haben. Das ist nur mit der Lehrpraxis realisierbar.

 

Die Universitäten werden dringend ihre Lehrpläne überdenken müssen. Denn der von der MUG geforderte „Mut zur Lücke“ kann nicht postpromotionell bei den derzeitigen Strukturen geschlossen werden! Die Universitäten werden sich diesbezüglich mit der Ärztekammer verständigen müssen, wie die Ärzteausbildung aussehen muss, um qualitativ hochwertig sein zu können.

Es sind daher umgehend die Rahmenbedingungen herzustellen, die die Turnusärzte  wieder an die Ausbildung heranbringen. Schlagwort: Entbürokratisierung, Bedside-teaching, Ausbildungsassistenz, mehr Eigenverantwortlichkeit und Zeitressourcen für die Ausbildner!

Nur dann werden Kolleginnen und Kollegen effektiv ausgebildet und auf das Berufsleben vorbereitet.

 

Die persönliche Befriedigung des erfolgreichen eigenen Tuns schafft Zufriedenheit und damit Lebensqualität der Betroffenen.

Sie entlastet die Strukturen intra- und extramural und fördert so die Lebensqualität aller Ärzte im System.

 

Daher ist die Ausbildungsqualität unserer Turnusärzte von heute unsere Therapiequalität und Lebensqualität von morgen!

Wir sorgen uns darum! WIR werden FÜR UNS arbeiten !

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