DER FREIE ARZT - Nr. 1/2008
MR. Dr. Jörg Garzarolli, Obmann der Aktion Freier Arzt
DER AKTUELLE KOMMENTAR
Das Jahr 2007 war ein Jahr der Veränderungen und Offenbarungen.
Nach der Kammerwahl im Frühjahr bzw. den Nachwahlen im Herbst hat eine neue Führungs- und Vertretungsmannschaft die Agenden in der Ärztekammer Steiermark übernommen. Die Konstellation verspricht eine verantwortungsbewußte und zielgerichtete Arbeit im Interesse der steirischen Ärzteschaft. Der Mix aus Exponenten aller ärztlicher Betätigungsfelder, aus „jung und alt“, aus Erfahrenen und Newcomern, aus Ärztinnen und Ärzten ist Garant dafür, daß wirklich alle Interessen vertreten werden und dort wo nötig eine Koordination zwischen angestelltem und niedergelassenem Bereich auch tatsächlich erfolgen wird.
Die erste Bewährungsprobe für diese Geschlossenheit des Standes hat nicht lange auf sich warten lassen. Im Oktober offenbarte die Politik die wahren Intentionen ihrer zukünftigen Gesundheitspolitik : die Vorgänge rund um die 15a-Vereinbarung sind bekannt. Dieser beispiellose Überraschungsangriff in Richtung Verstaatlichung des Gesundheitssystems zum Schaden der Bevölkerung und der Ärzteschaft konnte mit massivem Einsatz auch der gesamten steirischen Ärzteschaft zumindest einmal fürs Erste abgewehrt bzw. abgeschwächt werden. Dafür sei an dieser Stelle allen Kolleginnen und Kollegen – niedergelassen oder angestellt – ausdrücklich gedankt !
Wir befinden uns momentan nur in einem Bahnhof. Der Zug der Politik steht nach wie vor unter Dampf. Die Weichenstellungen, wohin der Zug wirklich weiter fahren wird, stehen größtenteils noch bevor und wird den weiteren nachdrücklichen Einsatz einer geschlossenen Ärzteschaft benötigen.
Wenn die Ärzteschaft weiter als freier Berufsstand existieren möchte, wenn sie sich ihr Berufsfeld, ihre Existenz, ihre Entwicklungsmöglichkeiten erhalten und sichern möchte, werden von dieser punktuelle Veränderungen und da und dort auch mentale Korrekturen einer höchstpersönlichen Denkweise in Kauf genommen werden müssen. Nicht alle jetzt am Tisch liegenden Bedrohungsszenarien entstammen ausschließlich politischen Beratern, vereinzelte Verhaltensweisen und Ideen aus den ärztlichen Reihen selbst haben den Entwicklungen möglicherweise Vorschub geleistet.
Das ist nicht Schwarzmalerei, das ist Tatsache : wenn wir nicht innovativ und gemeinsam agieren, werden wir ALLE von der Politik niedergewalzt werden – die einen früher, die anderen später.
Neben der generellen Systemfrage ist es die Finanznot der Krankenkassen, welche speziell in den niedergelassenen Bereich hineinspielt. Die Nichteinigung mit der Stmk.GKK ist bereits Ausdruck dafür, daß derzeit und in althergebrachter Form kein Platz für eine Weiterentwicklung in Aussicht ist. Die Kassenverhandlungen für dieses Jahr werden zeigen, ob es überhaupt einen Weg in bisheriger Form geben kann oder nicht auch hier systemische Veränderungen im Raum stehen.
Der überwiegende Teil der Ärzteschaft hat bereits zur Kenntnis genommen, daß rasches und gemeinsames AGIEREN nötig ist, daß wir nicht auf einer Insel der Seeligen leben. Eine zentrale Aufgabe in unmittelbarer Zukunft wird für die Ärztekammer sein, das Verständnis für erforderliche (Gegen-)Maßnahmen zur Erhaltung unseres freien Arzttums durch Information, Aufklärung und Überzeugungsarbeit noch weiter zu schaffen bzw. zu unterstützen. Diesmal haben wir die Patienten so nachdrücklich wie nie zuvor auf unserer Seite, auch sie haben gesehen, dass wir am Abgrund eines generellen Systemumbruches stehen.
Das Jahr 2008 wird ein richtungsweisendes sein. Die gesamte niedergelassene und angestellte Ärzteschaft steht in ihrer Geschlossenheit auf dem Prüfstand. Nur durch Gemeinsamkeit und Unterstützung der KollegInnenschaft werden die Funktionäre den nötigen Rückhalt haben, einen erfolgreichen Weg einzuschlagen und der Politik und den Krankenkassen Paroli zu bieten.