DER FREIE ARZT - Nr. 1/2008
Turnus – oder das schwarze Nichts
Kann natürlich sein, dass diese Umschreibung meiner Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin etwas übertrieben klingt, doch was bleibt nach etwas über 4 Jahren übrig? 4 Jahre in denen man MeisterIn wird in Blut abnehmen, Leitungen legen, EKG schreiben (ohne Befundung natürlich, denn dafür gibt’s einen Konsiliarschein), Infusionen an-um-abhängen, Antibiotika mischen, Infusionen spiegeln, Zetterl ausfüllen, Befunde nachtelefonieren – ausdrucken – nachfaxen – einordnen, Termine ausmachen – umändern, und an der oft allerletzten Station der Ausbildung darf man sogar Kurven ausräumen und zur Ablage einordnen. Und sicher, an einigen Abteilungen wurde man sogar als „Arzt/Ärztin“ wahrgenommen und gehört – man durfte Fragen stellen die einem auch beantwortet wurden und musste sich selbst Gedanken um Krankheitsbilder und Therapien machen (selbst wenn’s nur im Nachtdienst in der Ambulanz war), manchmal kam es sogar vor, dass einem etwas einfach so erklärt wurde (die vielbesungene „Bringschuld“). Vieles nimmt man passiv mit, beim Diktieren unzähliger Briefe und bei der Visite in der letzten Reihe. An einigen Abteilungen gibt es sogar regelmäßige Fortbildungen – auch wenn es meistens „nur“ Vorträge von Turnuskollegen waren, welche Pflicht waren, und vom „Stammpersonal“ kam dann doch eher weniger bis gar nichts.. aber immerhin, „wir“ sind ja schon darüber dankbar. Und wenn man das Turnusarzt-tätigkeitsprofil umzusetzen versucht, um wertvolle Zeit für die Ausbildung zum Allgemeinmediziner zu gewinnen, hört man nur, dass man Arbeit abschieben will.
Also, was bleibt nach dem Turnus?
Der Versuch genau die eine Facharztausbildungsstelle zu bekommen, für die man beinahe alles geben würde - nur ist diese Stelle entweder nicht vakant, oder Duzente andere möchten genau die gleiche haben.
Oder man versucht eine Facharztstelle zu bekommen, die sonst eher nicht so gefragt ist, weil man sich nicht so recht entscheiden kann was man will und man so zumindest eine weitere Ausbildung bekommt, mit der man dann hoffentlich mehr Zukunft hat.
Oder man sieht sich als Praktischer Arzt. Dann ist man auf einmal „großjährig“, und darf eigenverantwortlich Menschen behandeln, die darauf vertrauen, dass man so gut ausgebildet wurde um zu wissen was ihm fehlt, und was man da dann eigentlich für ein Tabletterl verschreiben muss, oder welche Untersuchungen weiter notwendig sind.
Und plötzlich ist man auf der anderen Seite und merkt auf einmal, dass es vielleicht doch nicht ganz zutreffend war so manche Einweisungsdiagnose zu belächeln… das heißt, wenn man überhaupt an Patienten rankommt! Die meisten frisch gebackenen AllgemeinmedizinerInnen versuchen dann doch noch eine Stationsarztstelle zu bekommen. Als Stationsarzt darf man dann nämlich oft das gleiche wie im Turnus machen, nur mit ein bisschen mehr Eigenverantwortung. Und irgendwann ist man dann endlich in der Lage, nach langer Zeit der Krankenhausroutine und Praxisvertretungen selber eine Praxis zu eröffnen … doch halt, dies ist im Rahmen der 15a Vereinbarung auch nicht mehr so sicher. Durch die neu geplanten Ambulatorien ist mit einer sinkenden Zahl an Kassenverträgen zu rechnen, und da diese schon heutzutage sehr rar sind, ist wohl kaum mit einer Verkürzung der Wartezeit auf eine beliebte Kassenstelle zu rechnen. Aber na ja, man kann dann ja immer noch in diesen Ambulatorien zu einem Niedriggehalt arbeiten gehen – besser als nichts, oder?