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DER FREIE ARZT - Nr. 4/2008


Dr. Eiko Meister

IG Angestellte Ärzte: Selbst eingefahrenes SI-Verhandlungsergebnis nicht verstanden?

Es war irgendwie schon sehr interessant, als Dietmar Bayer, Ex-Präsident und Herwig Lindner, Ex-Kurienobmann ihre Stimme mit der Frage erhoben: "Was gedenkt die Kurienführung dagegen zu unternehmen, dass nach Auslaufen der Übergangsbestimmungen an Abteilungen, die um 8.00 beginnen und nach dem Nachtdienst um 11.00 nach Hause gehen, eine Stunde Minus geschrieben wird?"

Zugegeben: Das neue (seit 2 Jahren etablierte) SI-Schema ist nicht einfach zu verstehen. Auch dann nicht, wenn man es verhandelt hat.

Es gibt dazu zwei Kernaussagen: Erstens das Festhalten an der 40-Stunden-Woche. Zweitens im Gegenzug zur Gehaltserhöhung die Flexibilisierung der Dienstzeiten (die zu 99% nicht umgesetzt wurde).

Die immer in Verbindung mit den Nachtdiensten präsentierte Arbeitszeitreduktion von vier Stunden ("die uns die KAGes schenkt" O-Ton der IG in mehreren Informationsveranstaltungen) ist faktisch nicht existent. Die Stunden verschieben sich nur, weil ja an der 40-Stunden-Woche festgehalten wurde. Soweit so gut.

Fakt ist, dass verglichen mit einer Abteilung, die um 7.00 beginnt der Nachtdienst an Abteilungen mit Beginn 8.00 exakt – und da werden Bayer und Lindner hoffentlich zustimmen – eine Stunde kürzer ist. Diese fehlt dann in der Wochengesamtsumme. Somit war die Forderung an die Kurienführung hier umgehend einen Ausgleich zu schaffen in Wirklichkeit unzulässig, weil es zu einer Benachteiligung der "regulär" von 7.00 bis 11.00 am Folgetag verbleibenden Kolleginnen und Kollegen gekommen wäre. Außerdem ermöglicht die SI-Vereinbarung den Abteilungen ihre Dienstzeiten so zu gestalten, dass dem Ablauf genüge getan und trotzdem das 40-Stunden-Soll erfüllt werden kann.

Unabhängig davon ist es eine völlig indiskutable Vorgangsweise an manchen Kliniken die Arbeitszeit nach einem Nachtdienst per Dienstanweisung im Vorhinein bis 16.00 festzulegen. Das ist eine glatte Überschreitung der SI-Vereinbarung im Hinblick auf das Dienstende und absolut nicht zu tolerieren. Dass gleichzeitig der Unterschied zwischen Kernarbeitszeit und Normalarbeitszeit von diesen Klinikchefs nicht verstanden wird (aktiv oder passiv) ist in diesem Zusammenhang irrelevant.

Die KAGes und die Ärztekammer halten ausreichend Unterlagen bereit dies zu erklären.

 

Zu guter Letzt: Wenn Herwig Lindner fordert, dass die deutsche Gewerkschaft Ver.di ein Vorbild für die Kammer sei, weil sie für 57.000 Lufthansa-Angestellte einen sehr guten Lohnabschluß eingefahren hat, scheint er doch zu vergessen, dass alle Österreich tätigen Ärzte insgesamt rund 60 % der Lufthansabelegschaft ausmachen und der Adressat dieser Forderung falsch ist. Nicht zu vergessen, dass die Lufthansa in den späten Neunzigern einen der radikalsten Sparkurse in Europa gefahren ist und ihr Personal um rund 50% gekürzt hat.

 

Also: Mehr Fakten – weniger Polemik.

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