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DER FREIE ARZT - Nr. 1 & 2/2009


Dr. Eiko Meister Dr. Wolfgang Florian

Niedergelassen, oder im Spital – alle im Team oder jeder für sich?

Im Gesundheitswesen kracht’s - sagt man – zumindest Politik, Hauptverband, Träger und die Wirtschaft. Das System sei nicht mehr finanzierbar. Banken und Autoindustrie schon – aber das ist wohl Ansichtssache. Die Spitalsfinanzierung ist zumindest für den stationären Bereich bis 2015 laut Art.15a-Vereinbarung einbetoniert. Also bleibt zur Sanierung des Gesundheitssystems / der Krankenkassen nur der „ambulante Bereich“. Den größten Teil dieses Bereiches finanzieren nämlich die Krankenkassen alleine, obwohl ihre Einnahmen durch Wirtschaftskrise und künstlich aufgebürdeter Aufgaben ohne Abgeltung sich im steilen Sturzflug befinden. Dieser ambulante Bereich (entsprechend der Definition des ÖSG – Österreichischer Strukturplan Gesundheit) umfasst den gesamten niedergelassenen Bereich und die Leistungen aller Kassen- und Spitalsambulanzen, wie auch die Leistungen diverser Institute. Derzeit findet aber ein interessantes Verschiebespiel der Patienten statt, das stark an asiatische Brettspiele (Go) erinnert. Teure Leistungen sowie Leistungen außerhalb der „Regelarbeitszeit“ sollen eher im Spital stattfinden (wo die Kassen nur zum Teil an der Finanzierung beteiligt sind), alles „draußen“ wird am besten irgendwie limitiert, oder erschwert zugänglich gemacht, damit es nicht zuviel kostet. Das führt natürlich zu Schnittstellen mit Problemen, an denen in der Vergangenheit nur kosmetische Nähte gesetzt wurden. Von Seiten der ebenfalls zunehmend defizitären Spitalsbetreiber entsteht ein begehrliches Schielen nach neuen Finanztöpfen („draußen“), mit ausufernden Ideen, wie Kassenverträgen für alle Ambulanzärzte, die selbstverständlich mit populistischen Mäntelchen getarnt werden („Gesundheitszentren“, …) Den niedergelassenen Ärzten treibt diese Entwicklung naturgemäß die letzte Farbe aus den Gesichtern – ist damit doch der niedergelassene Einzelkämpfer eine aussterbende Spezies.

Dazu kommt noch eine geänderte Ärztegesellschaft, die mit einem höheren Freizeitbewusstsein und einem hohen Frauenanteil an sich schon andere Betrachtungsweisen ans Berufleben an den Tag legt.

Hier kann es nur eine Lösung geben, die wir von der AKTION FREIER ARZT schon seit Jahren lautstark fordern: Neue Kooperationsformen für Ärztinnen und Ärzte durch Ärzte-GesmbH’s, Gruppenpraxen, Anstellung Arzt bei Arzt oder Job-Sharing (z.B.: zwei Ärztinnen teilen sich eine Kassenstelle), womit eine Ausweitung des Angebots im Niedergelassenenbereich inklusive erweiterter Öffnungszeiten, besserer Überbrückung von Urlaubszeiten und damit eine spürbare Entlastung der Spitalsambulanzen möglich sind.

Inkludiert in diese neuen Kooperationsformen soll eine Beteiligung von Spitalsärzten in den Gruppenpraxen sein, um Spezialwissen und spezielle Fertigkeiten verstärkt in der Niederlassung anbieten zu können.

NACH Einführung diese neuen Systems kann dann die „Finanzierung aus einem Topf“ für alle ambulanten Leistungen erfolgen – Schnittstellen wären dann echte Nahtstellen und Kooperationen mit dem stationären Bereich viel besser möglich. Es gilt aber, diese neuen Strukturen rasch zu ermöglichen, nicht erst in Jahren!

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