Im Gesundheitswesen kracht’s - sagt man – zumindest Politik,
Hauptverband, Träger und die Wirtschaft. Das System sei nicht mehr
finanzierbar. Banken und Autoindustrie schon – aber das ist wohl Ansichtssache.
Die Spitalsfinanzierung ist zumindest für den stationären
Bereich bis 2015 laut Art.15a-Vereinbarung einbetoniert.
Also bleibt zur Sanierung des Gesundheitssystems / der
Krankenkassen nur der „ambulante Bereich“.
Den größten Teil dieses Bereiches finanzieren nämlich die
Krankenkassen alleine, obwohl ihre Einnahmen durch Wirtschaftskrise und
künstlich aufgebürdeter Aufgaben ohne Abgeltung sich im steilen Sturzflug
befinden.
Dieser ambulante Bereich (entsprechend der Definition des
ÖSG – Österreichischer Strukturplan Gesundheit) umfasst
den gesamten niedergelassenen Bereich und die Leistungen aller Kassen- und
Spitalsambulanzen, wie auch die Leistungen diverser Institute.
Derzeit findet aber ein interessantes Verschiebespiel der
Patienten statt, das stark an asiatische Brettspiele (Go) erinnert.
Teure Leistungen sowie Leistungen außerhalb der
„Regelarbeitszeit“ sollen eher im Spital stattfinden (wo die Kassen nur zum
Teil an der Finanzierung beteiligt sind), alles „draußen“ wird am besten
irgendwie limitiert, oder erschwert zugänglich gemacht, damit es nicht zuviel
kostet.
Das führt natürlich zu Schnittstellen mit Problemen, an
denen in der Vergangenheit nur kosmetische Nähte gesetzt wurden.
Von Seiten der ebenfalls zunehmend defizitären Spitalsbetreiber
entsteht ein begehrliches Schielen nach neuen Finanztöpfen („draußen“), mit ausufernden
Ideen, wie Kassenverträgen für alle Ambulanzärzte, die selbstverständlich mit
populistischen Mäntelchen getarnt werden („Gesundheitszentren“, …)
Den niedergelassenen Ärzten treibt diese Entwicklung
naturgemäß die letzte Farbe aus den Gesichtern – ist damit doch der
niedergelassene Einzelkämpfer eine aussterbende Spezies.
Dazu kommt noch eine geänderte Ärztegesellschaft, die mit
einem höheren Freizeitbewusstsein und einem hohen Frauenanteil an sich schon
andere Betrachtungsweisen ans Berufleben an den Tag legt.
Hier kann es nur eine Lösung geben, die wir von der AKTION
FREIER ARZT schon seit Jahren lautstark fordern:
Neue Kooperationsformen für Ärztinnen und Ärzte durch
Ärzte-GesmbH’s, Gruppenpraxen, Anstellung Arzt bei Arzt oder Job-Sharing (z.B.:
zwei Ärztinnen teilen sich eine Kassenstelle), womit eine Ausweitung des
Angebots im Niedergelassenenbereich inklusive erweiterter Öffnungszeiten,
besserer Überbrückung von Urlaubszeiten und damit eine spürbare Entlastung der
Spitalsambulanzen möglich sind.
Inkludiert in diese neuen Kooperationsformen soll eine
Beteiligung von Spitalsärzten in den Gruppenpraxen sein, um Spezialwissen und
spezielle Fertigkeiten verstärkt in der Niederlassung anbieten zu können.
NACH Einführung diese neuen Systems kann dann die
„Finanzierung aus einem Topf“ für alle ambulanten Leistungen erfolgen –
Schnittstellen wären dann echte Nahtstellen und Kooperationen mit dem
stationären Bereich viel besser möglich.
Es gilt aber, diese neuen Strukturen rasch zu ermöglichen,
nicht erst in Jahren!