DER FREIE ARZT - Nr. 1 & 2/2009
MR. Dr. Jörg Garzarolli,
Dr. Eiko Meister
QUALITÄTSSICHERUNG – D A S AKTUELLE THEMA
Vor einigen Jahren wurde – dem gesetzlichen Auftrag folgend – von der ÖÄK die „ÖQMed“ gegründet. Zentrales Anliegen: ärztliche Qualitätssicherung in Händen der Ärzteschaft (wer sonst sollte fachlich geeignet diese durchführen?).
Der Gesellschaft obliegt die Erstellung von Qualitätskriterien für Arztpraxen und die Überprüfung derselben. Die Österreichweite erste Evaluierung ist längst abgeschlossen, es folgen nun weitere Wellen.
Wenn es zu einer Einigung kommt, werden in Zukunft Hautverband und Ministerium in den Organen der Gesellschaft stärker vertreten sein, die Exekution wird jedoch weiter alleine in Händen der ÖQMed liegen.
Über diese verpflichtende Qualitätsüberprüfung hinaus besteht seit kurzem die Möglichkeit, sich freiwillig eines international anerkannten Qualitäts – Management – Programms zu bedienen bzw. sich zertifizieren zu lassen: das EPA-Projekt (Europäisches Praxisassessement) ist ein international und wissenschaftlich abgesichertes QM-System, welches in anderen Ländern (NL, BRD, Belgien, CH) bereits etabliert ist. Entscheidend ist die praxisnahe Struktur, welche auf die individuellen Bedingungen in Bezug auf Struktur- und Prozessqualität Rücksicht nimmt und vor allem auch einen strukturierten Beratungs- und Lernprozess beinhaltet – also echtes Management. Somit eine gute Ergänzung zur Pflicht-Evaluierung.
Auch die Gesundheitsplattform Steiermark nimmt sich des Themas Qualität an und plant, eine „Qualitätssicherungskommission“ einzurichten. Details sind derzeit nur teilweise bekannt – in keinem Falle soll es jedoch zu Parallelitäten mit bestehenden Strukturen kommen. Als grundsätzliche Aufgabe wird die Kommission die Qualitätssicherungsaktivitäten in der Steiermark koordinierend begleiten.
Bisher war es fast ein Reflex, dass bei Unzulänglichkeiten und/oder Fehlern im medizinischen (überwiegend "eminezbasierten") System immer gleich - oft ohne entsprechende Recherchen - ein Schuldiger gesucht und angeprangert wurde. Da diese "blame and shame"-Kultur sich als weitgehend ineffektiv herausgestellt hat, soll nun ein Paradigmenwechsel eingeleitet werden: Erkennen von (Beinahe-) Fehlern, den Dingen auf den Grund gehen und versuchen, daraus zur Vermeidung der Wiederholung zu lernen. Zu diesem Zweck wird ein erprobtes Fehlermelde- und Lernsystem flächendeckend eingerichtet, das CIRSmedical®. Mit der Umsetzung ist in absehbarer Zeit zu rechnen. Die österreichische Ärztekammer will dieses Fehlermelde- und Lernsystem noch heuer in Betrieb nehmen. Gemeinsam mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger, dem BIQG und dem Bundesamt für Sicherheit soll dann ein Expertenrat geschaffen werden, die die Berichte kommentiert und auswertet.
Die bereits in den Krankhäusern bestehenden Installationen von CIRSmedical® oder selbst entwickelten System, wie das CIRPS der AUVA, oder Einzelentwicklungen, wie AUEL aus dem LKH Deutschlandsberg könnten dann auch ihre Berichte an das österreichweite CIRS weitergeben.
Dieses Berichtsystem kann dann helfen die Patientenbehandlung noch sicherer zu machen. Die Etablierung der neuen Fehlerkultur ist dabei der wichtigste, zugleich aber am vorsichtigsten zu betreibende Prozess. Sie muss sich von selbst entwickeln, ein Aufzwingen ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt!
Aber wenn mit einer neuen Kultur mit unerwünschten Ereignissen umzugehen verbunden mit Reportsystemen es zu Änderungen in den Abläufen kommt – in den Ordinationen, wie auch in den Praxen, dann ist Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung nicht nur eine Floskel, sondern eine Bereicherung!
Abkürzungen:
CIRS: Critical Incident Reporting System = Meldesystem für unerwünschte Ereignisse
CIRPS: Critical Incident Reporting and Prevention System = Meldesystem der AUVA mit Schwerpunkt Prävention von unerwünschten Ereignissen
AUEL: Aus Unerwünschten Ereignissen Lernen: mehrfach ausgezeichnete Eigenentwicklung des LKH Deutschlandsberg ähnlich dem CIRS