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DER FREIE ARZT - Nr. 3/2009


MR. Dr. Jörg Garzarolli, Obmann der Aktion Freier Arzt

DER AKTUELLE KOMMENTAR

Wie fast nicht anders zu erwarten war, hat die Bundesregierung dem Kassensanierungs – Papier nur mit Auflagen zugestimmt.   Den wesentlichsten Schritt, nämlich die Entlastung der Sozialversicherungen von versicherungsfremden Leistungen, hat man nicht getan. Ohne diesen wird es aber nicht gehen, will man keine Verschlechterung der medizinischen Versorgungssituation der Österreichischen Bürger in Kauf nehmen: das Bekenntnis zum weiteren guten Betreuungsstandard wäre dann nichts anderes als eine populistische Worthülse. Egal, um welche Größendimension es tatsächlich geht - die kolportierten Zahlen differieren ganz beträchtlich - , die gewünschten Einsparungen als Voraussetzung zur Finanzspritze aus Steuergeldern können nur zu einem kleinen Teil indirekt aus dem niedergelassenen Bereich kommen.   Die niedergelassene allgemeinmedizinische und fachärztliche Versorgung ist nachgewiesen wesentlich kostengünstiger als die in Ambulatorien. Und trotzdem bestehen Ambitionen, diesen Bereich weiter auszuhöhlen und die Patienten Richtung Krankenhaus zu lenken. Eine Chuzpe: statt Praxen zu stärken, statt Spitalsambulanzen zu entlasten, statt die patientenfreundliche wohnortnahe Versorgung zu fördern will man genau den entgegengesetzten Weg gehen.   Eine wesentliche Maßnahme in diesem Zusammenhang wäre, den ungefilterten direkten Patientenstrom in Richtung Ambulanzen einzudämmen. Da eine finanzielle Barriere in seiner Wirkung fraglich ist (eine „Ambulanzgebühr“ hatten wir schon mal), wäre ein Ausweg z.B. ein vorgegebener Patientenpfad in der Versorgungshierarchie. Das könnte auch Doppeluntersuchungen und Parallelaktivitäten verhindern, somit wesentliche Kosteneinsparungen bringen.   Um das niedergelassene Angebot auch im zeitlichen Umfang noch zu verbessern, werden Zusammenarbeitungsformen unumgänglich sein. Hier liegt die große Hoffnung in der Möglichkeit der vermehrten Gründung von Gruppenpraxen bzw. zukünftiger Ärzte-GmbH`s. Im Konsensuspapier Hauptverband-ÖÄK ist letztere Möglichkeit ein wesentlicher Bestandteil, an der Realisierung wird gearbeitet.   Die Informationstechnologie bzw. EDV gewinnt zunehmende Bedeutung im ärztlichen Alltag, die Entwicklung ist unaufhaltsam. Böse Zungen behaupten, daß das Interesse der einschlägigen Industrie an diesem Milliardengeschäft der wahre Motor sei. Wie auch immer: die weiteren Entwicklungen bedürfen eines strukturierten und partnerschaftlichen Vorgehens. Nutznießer von Anwendungen, sprich die Sozialversicherungen, müssen zumindest einen Teil der finanziellen Einsparungseffekte an die Anwender weitergeben: keine neuen Projekte ohne vorherige Kosten-Nutzen-Kalkulation sowie die Abgeltung von Installations- und Wartungskosten sind Mindestvoraussetzungen.

Der Umbau des Österr. Gesundheitswesens wird ein langer Prozeß sein. Derzeit steht die Kassensanierung auf dem Programm, eine Spitalsreform ist noch nicht in Sicht. Vieles, was in nächster Zeit auf Schiene gesetzt wird, betrifft zumindest indirekt auch den stationären Bereich. Nicht zu vergessen ist hierbei die Situation der in beiden Bereichen tätigen Ärztinnen und Ärzte: die Interessen dieser wahrzunehmen, ist Aufgabe der Standesvertretung. Und diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst.

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