DER FREIE ARZT - Nr. 4/2009
Stationsärzte - die ungeliebte Spezies
Im Alltag einer Bettenstation sowie in so manchen Spitalsambulanzen fristet eine ganz bestimmte Spezies ihr Dasein. Ihr Name: Stationsarzt.
Eingedeckt mit jeder Menge Arbeit, die man noch aus Turnuszeiten kennt, sprich Blutabnahmen und „Flascherlrunden“, Telefonate für Terminvereinbarungen etc. wird sie zusätzlich aufgrund ihrer Ressource selbstständig handeln zu dürfen von Assistenten und Oberärzten für verschiedenste andere, zugegebenermaßen anspruchsvollere Tätigkeiten herangezogen. Sollte das der Fall sein, kann sich die oder der Betroffene noch glücklich schätzen, zumal der Kollege im Stockwerk darüber gerade verzweifelt versucht, sich einen Überblick im bestehenden Arztbriefchaos zu verschaffen.
Zwischendurch ein paar Leitungen legen, Transportscheine unterschreiben und Daten ins Medocs klopfen; bereichernd ist das alles in vielen Fällen nicht. Vor allem dort nicht, wo der Posten nicht als Sprungbrett ins Fach fungiert.
Die jüngsten Entwicklungen lassen jedoch auf bessere Aussichten hoffen: Zum einen lassen sich manche Stellen, die aufgrund ihres Rufes als nicht interessant gelten, nicht mehr allzu leicht nachbesetzen (der Ärztemangel scheint zu greifen), was dazu führt, dass Möglichkeiten zur Attraktivierung derselben gesucht werden.Zum anderen tun sich für oben genannte Spezies neue Perspektiven auf:
In den nächsten Jahren werden zahlreiche Kassenstellen frei. Außerdem werden sich Beschäftigungsmöglichkeiten in den viel diskutierten Gesundheitszentren finden. Letztlich wird es auch in den Spitälern neue Herausforderungen für Allgemeinmediziner geben müssen, will man sie nicht ganz aus diesen vertreiben. Die Aufgabe der Kammer muss sein, die Kassenverträge weiter hart zu verhandeln, damit eine Niederlassung in angespannter Wirtschaftslage noch erstrebenswert bleibt.Weiters gilt es, die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin qualitativ hoch zu halten und modern und international zu gestalten, damit wir wettbewerbsfähig bleiben.
Nicht zuletzt wird man auch das Arbeitszeitgesetz und das Entlohnungsschema für die Tätigkeit in den Gesundheitszentren scharf verhandeln müssen, und vor allem sollen die Rahmenbedingungen für eine solche Beschäftigungsform von uns Ärzten und nicht von großen Wirtschaftskonzernen festgelegt werden. Wenn all diese frommen Wünsche vom Christkind erfüllt werden, besteht die Hoffnung, dass für die Spezies, die 2009 landläufig Stationsärzte genannt wird, weiter ein Dasein möglich ist.In diesem Sinne wünsche ich frohe Weihnachten und ein gesundes Jahr 2010!