DER FREIE ARZT - Nr. 4/2009
Die stillste Zeit im Jahr
Karl Heinrich Waggerl:
"Advent, sagt man, sei die stillste Zeit im Jahr. Aber bei uns daheim war es keineswegs die stillste Zeit. In diesen Wochen lief die Mutter mit hochroten Wangen herum, wie mit Sprengpulver geladen, und die Luft in der Küche war sozusagen geschwängert mit Ohrfeigen. Dabei roch die Mutter so unbeschreiblich gut, überhaupt ist ja der Advent die Zeit der köstlichen Gerüche. Es duftet nach Wachslichtern, nach angesengtem Reisig, nach Weihrauch und Bratäpfeln. Ich sage ja nichts gegen Lavendel und Rosenwasser, aber Vanille riecht schon auch gut, eigentlich viel besser, oder Zimt oder Mandeln."
Ein Blick in die Spitäler kurz vor Weihnachten zeigt nicht unbedingt die Waggerl`sche Idylle, auch wenn Ohrfeigen heutzutage nicht mehr als Mittel der Erziehung gelten.
In den wenigen Wochen vor Weihnachten quellen traditionell die Krankenhäuser über. Verschiedene Gründe bewegen unsere Patientinnen und Patienten noch im heurigen Jahr unbedingt gesund zu werden, was zwar legitim, aber in der Regel kaum durchführbar ist. Dies wiederum führt zu einer steigenden Belastung des Spitalspersonals, was sich in der derzeitigen Situation - auch teilweise dezimiert durch die Schweinegrippe - in Überlastung niederschlägt. Zusätzlich dazu drohte sich auf den Universitätskliniken eine neue Front aufzutun.
Schlagwort "Betriebsvereinbarung". Die alte Betriebsvereinbarung lief mit Ende des Jahres aus. Eine neue Betriebsvereinbarung der Medizinischen Universität Graz war bis Ende November noch nicht in Sicht. Zu differenziert waren die Wünsche einerseits der Ärztevertreter, des Betriebsrates und wiederum die Vorstellungen des Rektorats.
Der ursprüngliche Vorschlag des Rektorats, die Nachtdienstgestaltung nicht an das Modell bei der KAGes anzulehnen, wurde letztendlich verworfen. Denn oft ist zu hören, dass die KAGes-Bediensteten durch das neue Dienstrecht deutlich im Vorteil seien. Zugegeben - ein Dienstende um 11:00 Uhr nach einem Nachtdienst sind doch eine Errungenschaft, die das Arbeitsleben erträglicher machen. Insbesondere dann, wenn die Nacht zuvor durchgearbeitet wurde.
Zweifelsfrei ist es für die Dienstplanführenden nicht einfach bis zu vier Dienstrechte an einer Klinik in einem homogenen Dienstplan unterzubringen. Gleichgültig ob die Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter bei der KAGes Dienst macht, ein "alter" Landesbediensteter ist, beim Bund beschäftigt ist oder bei der medizinischen Universität; für alle gilt, dass nach 24 Stunden Tätigkeit die Aufmerksamkeit schlechter ist. Diese Tatsache ist in mehreren Studien publiziert und gilt gemeinhin in der Arbeitsmedizin als gültig. Es war daher ein richtiger Weg, dass sich die medizinische Universität dazu durchringen konnte, den Ist-Stand nicht zu verschlechtern. Die Fortschreibung der bestehenden Vereinbarung für die nächsten sieben Jahre inklusive der Option, wie bisher nach 25 Stunden den Dienst beenden zu können (bei entsprechender Belastung im Dienst) war somit auch ein Beitrag, die Dienstpläne an den Kliniken etwas leichter gestalten zu können. Es ist dies auch im Hinblick auf die Qualifizierungsvereinbarungen, ein Schritt der davon zeugt, dass man die "Dreiteilung" des MUG-Arztes in Patientenversorgung, Forschung und Lehre beginnt zu leben.
In diesem Sinne ein frohes Fest allen Kolleginnen und Kollegen am Klinikum in Graz und den steirischen Krankenhäusern!