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DER FREIE ARZT - Nr. 1/2010


Dr. Norbert Meindl Dr. Wolfgang Florian

Gate keeping bedroht Fachärzte!

Die politischen Diskussionen über das Gesundheitssystem ändern ihre Richtung laufend. Man könnte meinen, keiner weiß wirklich wohin es gehen soll und das ist dann das erklärte Ziel.

Im Regierungsübereinkommen der großen Koalition dieser Bundesregierung wird eine Aufwertung des niedergelassenen Allgemeinmediziners festgeschrieben. Genaue Details sind allerdings nicht bekannt. Der niedergelassene Facharzt findet keine Erwähnung. Eine Umfrage unter der Bevölkerung zeigt aber eine große Zufriedenheit mit der Versorgung sowohl mit den Allgemeinmedizinern, als auch mit den niedergelassenen Fachärzten. Die wohnortnahe fachärztliche Versorgung ist für die Bevölkerung unabdingbar, die freie Arztwahl zum Hausarzt ebenso wie der freie Zugang zum Facharzt.

Eine Arbeitsgruppe der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte hat nun ein "Hausarztmodell" entwickelt und zur Beratung den Gremien der ÄK vorgelegt. Zentraler Punkt dieses Papiers ist ein Anreizsystem für den Patienten zuerst den Hausarzt aufzusuchen und erst anschließend den Facharzt. Grundsätzlich soll der Patient die Möglichkeit haben dafür zu optieren und einen Hausarzt zu benennen (wie und wo – E-Card?), um dann allerdings verpflichtend den Zutritt zum Gesundheitssystem nur über diesen Hausarzt zu akzeptieren. Dieses Anreizsystem kann nur ein finanzielles sein. Es wird als zwingend im Hausarztmodell angesehen. ("Conditio sine qua non"). Ausnahmen sollen nur für den Kinderarzt, Augenarzt und den Frauenarzt bestehen. Das Aufsuchen eines Facharztes einer anderen Fachrichtung ist nur über den Allgemeinmediziner in diesem Modell möglich. Eine gesetzliche Verankerung (ASVG, Ärztegesetz etc.) ist vorgesehen.

Mit diesem Modell ist ein "Gate keeping" de facto etabliert. Für die Fachärzte war und ist dieses abzulehnen, bei allem Verständnis für die Stärkung des niedergelassenen Allgemeinmediziners. Vor allem die freie Arztwahl wäre nicht mehr gegeben, eine 2-Klassenmedizin dann sogar offiziell etabliert (gutverdienende Patienten sind auf ein finanzielles Anreizsystem nicht angewiesen).

Ein weiterer wesentlicher Punkt wird in dem Papier nicht behandelt, und zwar das Prinzip der Subsidiarität. Der Weg des Patienten im Gesundheitssystem sollte sein: Hausarzt > Facharzt > Ambulanz im Spital (ausgenommen Notfälle). Hat man hier dieses Prinzip "vergessen" oder bewusst nicht angeführt, weil es zu der Gate keeping - Idee nicht passt? Ebenso wird auf die Situation der Wahlfachärzte nicht eingegangen. Wie soll hier eine Zugangsregelung via Hausarzt aussehen – sie wird hier nicht durchführbar sein. Des Weiteren ist auch die berufliche Zukunft der Spitalsfachärzte betroffen. Die Ambition sich in einem "Gate keeping"-Modell niederzulassen, könnte enden wollend sein!! Für Fachärzte ist dieses Modell in der vorliegenden Form auf keinen Fall tragbar.

Im Sinne einer von den Fachärzten und Allgemeinmedizinern gemeinsam getragenen Lösung sollte unbedingt weiterberaten werden. Gemeinsamkeit ist es, was der Ärztestand braucht und nicht neue Trennlinien. Die Österreichische Ärztekammer, berufen  ALLE Mitglieder zu vertreten, sollte dieser Aufgabenstellung auch gerecht werden.

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