DER FREIE ARZT - Nr. 1/2010
Viel geredet und spekuliert wird dieser Tage über die Zukunft unseres Gesundheitssystems. Dass dabei wenig bis gar nicht an uns Ärzte gedacht wird, ist zu befürchten. Überall wird eingespart. Im Spital sehen wir uns mit viel mehr Arbeit überschüttet, in der Niederlassung wird auch ständig um Tarife gerungen.
Einige wagen den Schritt in die Selbstständigkeit und verwirklichen ihren Traum der eigenen Praxis, zumeist als Wahlärzte. Im vergangenen Jahr taten das auch einige meiner Kollegen und ich selbst. Wir mussten mit einigen Hürden und Härten kämpfen. Doch bereut hat es keiner von uns. Wo sind also diese Hürden? Da ist einmal die Standortfrage zu klären, dann die Finanzierung, danach das Angebot in der Ordi zu definieren, Personal sparsam einzustellen, die Werbetrommel zu rühren und letztendlich mit den Kassen zu kämpfen. Meist laufen die Wahlarztpraxen, wenn gut geplant, schnell an, doch gerade die GKK hungert einen förmlich aus. Mindestens bis zum Ende des zweiten Quartals nach Eröffnung muss man beispielsweise auf die ersten Gelder aus Vorsorgeuntersuchungen warten, die in der allgemeinmedizinischen Wahlarztpraxis einen nicht unerheblichen Posten ausmachen. Den Vertrag für die VU bekommt man oft erst ein dreiviertel Jahr nach Besuch des Pflichtseminars, weil der Geschäftsausschuss der GKK nur zweimal jährlich tagt! Auf diesen Umstand wäre man gerne von den Herren Klima und Millauer, die diese Seminare in rühriger Doppelconference halten, hingewiesen worden, und zwar im Vorfeld. Es müssten mehr Seminare angeboten werden, die Vertragsunterzeichnung scheint seitens GKK bewusst verzögert zu werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich nach mehrmaligem Hinweis auf diesem Gebiet demnächst etwas tut. Überhaupt macht es den Eindruck, dass die GKK den Wahlärzten gegenüber feindlich gesinnt ist, was bei den zahlreichen Kontakten in den ersten Monaten nach Ordinationseröffnung immer wieder auffällt. Patienten warten ewig auf Rückerstattung, man fühlt sich durch Gespräche mit den Patienten allerdings bestätigt, dass System Wahlarzt weiter auszubauen. Die Nachfrage steigt stetig an. Als Kammerfunktionär, der als Stationsarzt und Wahlarzt die Probleme aus 2 Perspektiven kennt, sehe ich einen Großauftrag darin, Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Ich selbst würde diesen Schritt trotz der steifen Brise, die mir entgegen blies, jederzeit wieder tun.