DER FREIE ARZT - Nr. 2/2010
Dr. Eiko Meister
Dr. Wolfgang Florian
Spitalsärzte 2010: Befund und Befindlichkeiten
Die österreichischen Spitalsärztinnen und Spitalsärzte sind unzufrieden. Sie sind unzufrieden, weil es noch immer nicht möglich ist die verbindlichen Vorgaben des Krankenanstaltenarbeitszeitgesetzes einzuhalten.
Sie sind unzufrieden, weil Administration die Ärzte von den Patienten fernhält und sie sind unzufrieden, weil chaotische Organisationsformen und fehlende Unterstützung durch die Vorgesetzten ihre Tätigkeit nicht ausreichend wertschätzen.
Soweit die Statistik, die das Ergebnis einer Telefonbefragung ist, die durch die Bundeskurie Angestellte Ärzte im April dieses Jahres österreichweit durchgeführt wurde.
Spitalsärzte leiden auch an einem zunehmenden Zeitdruck ihrer Tätigkeit, ihrer hohen Verantwortlichkeit Tätigkeit, sowie fehlender Kollegialität.
Spitalsärzte wollen aber auch gerne Ärzte sein!
Sie wollen sich in ihrer Tätigkeit bestätigen, und eine optimale medizinische Leistung für die ihnen anvertrauten Patienten garantieren. Spitalsärzte sind aber auch in dieser Situation frustriert. In nicht ganz sieben Jahren ist das Interesse Karriere zu machen von 60% auf rund 49% gesunken.
Diese Ergebnisse haben dazu geführt, dass die Bundeskurie Angestellte Ärzte eine Forderung nach einer Beschränkung der maximalen Dienstzeit von 25 Stunden aufgestellt hat.
Diese Forderung wird zum überwiegenden Teil bei den derzeitig herrschenden Personalstrukturen, die sich darauf beschränken ein Dienstrad aufrecht zu erhalten, das in der Planung dem Arbeitszeitgesetz entspricht, aber völlig unzulänglich auf Krankenstände, Urlaube oder andere Abwesenheiten vom Dienstort Rücksicht nimmt, schwer umsetzbar sein.
Insgesamt befinden Österreichs Spitalsärztinnen und Spitalsärzte also, dass die Zukunft im Spital keine rosige sein wird. Sie erkennen aber auch, dass es in der Niederlassung über neue Kooperationsformen, neue Formen der Zusammenarbeit wie multikoloren Gruppenpraxen, oder den Ärzte-Ges.m.b.H´s möglich sein könnte, unter wirtschaftlich vertretbaren Rahmenbedingungen ein fachlich zufriedenes Auslangen zu finden.
In den nächsten Jahren stehen allein in der Steiermark einige 100 Ordinationen zur Übergabe nach Auslaufen des Kassenvertrages an.
Die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen zu erarbeiten ist eine der verantwortungsvollsten Aufgaben, der sich beide Kurien in der Ärztekammer zu stellen haben. Die Konzepte hierfür liegen auf dem Tisch, die Umsetzung ist in Wirklichkeit nur ein politischer Willensakt. Diese aber scheint den Spitalsärzten eine Zukunft als niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Zusammenarbeit mit den Kollegen im Krankenhaus in neuen Kooperationsformen nicht ermöglichen zu wollen.
Soll die niedergelassene Medizin nicht aussterben wird es notwendig sein neue Kooperationsformen schnell und nicht erst nach einigen Landtagswahlen umzusetzen. Denn noch gibt es willige Spitalsärzte, die daran denken einer Tätigkeit in der Niederlassung nachgehen zu wollen.
Tendenz sinkend.