DER FREIE ARZT - Nr. 3/2010
Dr. Eiko Meister, Obmann der Aktion Freier Arzt
Blickwinkel
Veränderungen.
Die letzten Wochen waren von Veränderungen in vielen Bereichen gekennzeichnet. Die Gesundheitslandsrätin kommt jetzt aus der schwarzen Ecke, die ehemalige rote Landesrätin macht jetzt die Aufgaben der neuen. Stellenrotation also.
In der Politik funktioniert das bestens, in der Ärzteausbildung noch immer nicht. Die Widerstände – vornehmlich am Zentralspital – sind mancherorts unüberwindbar. Die Wissenschaft würde leiden.
Gleichzeitig wird ein Überarbeitungsentwurf des ÖSG (Österreichischer Strukturplan Gesundheit) in die Länder verschickt, der noch immer von falschen Ist-Zahlen im Gesundheitswesen ausgeht und neue Strukturen heraufbeschwört. Ärztezentren sind jetzt doch in der Spitalsambulanz?
Neue Kooperationsformen sollen den ambulanten Bereich (Ambulanzen und Niederlassung) managen und werden aus einem Topf finanziert. Alles mischt sich zu einem vorweihnachtlichen ambulanten Backteig, der als Einheit nur die ärztliche Versorgungseinheit kennt.
Die Ärzte-Ges.m.b.H ist endlich da, aber völlig anders, als jahrzehntelang gewünscht. Sie ist in Rahmen gepresst, die eine Beweglichkeit nahezu ausschließt. Oder sie ist auch nur eine Reaktion auf die geplante Hauptveränderung, nämlich eine Verlagerung von ambulanten Leistungen nach extramural (wo auch immer dieses Land im ÖSG ist) nicht zu ermöglichen.
Darüber schwebt noch immer die Frage der Finanzierbarkeit.
Können Solidarbeiträge, wie auch immer diese aussehen, das Gesamtsystem erhalten, oder müssen neue Einnahmequellen erschlossen werden. Bleibt der Finanzierungsknoten weiterhin undurchschlagen?
Ist es opportun – vor, während oder nach diversen Wahlen an Standortgarantien festzuhalten?
Ist es vielleicht doch möglich sinnvolle Veränderungen zu planen, Leistungen abzustufen und zu verketten? Tut vielleicht eine Veränderung der Aufgabenstellung der einzelnen Organisationen Not?
Veränderungen sind in der Regel unangenehm, weil sie Neues und Unbekanntes bringen.
Es ist notwendig sich auf Veränderungen vorzubreiten, zu antizipieren, was notwendig und was überflüssig ist, zu wissen wohin die Reise nun geht.
Diese Qualität lässt die Gesundheitspolitik vermissen. Monotones „Wir müssen sparen“ ist auch schon im letzten Tal angekommen. Nur wer fängt endlich an vernünftig zu denken, was wir unseren Kindern und Enkeln noch an Resten eines „Gesundheitssystems“ vererben wollen und können.